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Plastische Chirurgie als Ganzheitsmedizin
Definition der Plastischen Chirurgie
Die Bundesärztekammer (Bundesärztekammer Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ärztekammern Herbert-Lewin-Str. 1 50931 Köln Tel.: (0221) 4004-0) definiert das Fach in der Weiterbildungsordnung für Plastische Chirurgie (MWBO - I. 35. Plastische Chirurgie):
Die Plastische Chirurgie ist die Wiederherstellung und Verbesserung der Körperform und sichtbar gestörten Körperfunktionen durch funktionswiederherstellende oder verbessernde plastisch-operative Eingriffe
Nun das klingt alles sehr komprimiert und trocken. Vor allem wird es nicht dem allgemeinen Verständnis gerecht. Mit der Plastischen Chirurgie verwechselt werden häufig die kosmetische und die ästhetische Chirurgie. Dies sind aber für sich genommen keine eigenständigen Fachrichtungen ( genauso wie die Bezeichnungen kosmetischer Chirurg oder gar Schönheitschirurg etc.) und zählen alle mit zur plastischen Chirurgie. Zum Besseren Verständnis daher hier noch einmal eine korrekte Unterteilung und Definition der Untergebiete:
Plastische Chirurgie
Konstruktive Plastische Chirurgie
zur Beseitigung angeborener Fehlbildungen und ihrer Folgen
Rekonstruktive Plastische Chirurgie
zur Wiederherstellung von Körperteilen oder Organen, die durch Unfall, Krankheit oder Eingriffe beeinträchtigt sind
Ästhetische Chirurgie
zur Verbesserung konstitutions-, wachstums- oder altersbedingter Beeinträchtigungen des Erscheinungsbildes
Kosmetische Chirurgie
Operationen zur individuellen Veränderung der äußeren Körperform ohne physischen oder psychischen Krankheitswert und somit ohne medizinische Indikation
Besser sollte man daher kombiniert definieren:
Das Sonderfach Plastische Chirurgie umfaßt die Deckung oder den Ersatz von Defekten am gesamten Körper, insbesondere bei Mißbildungen, Gewebsverlusten durch Unfall, Tumoroperationen, Verbrennungen und anderen Ursachen wobei auch die aesthetische Chirurgie mittels Gewebetransfer und Gewebetransplantation den gleichen Stellenwert hat wie die funktionell wiederherstellende Plastische Chirurgie, in dem auch die bestmöglichste ästhetische Rekonstruktionsmöglichkeit gesucht werden muss.
Man kann also eine grundlegende Unterscheidung zwischen Plastischer und Ästhetischer Chirurgie in der Weise vorgenehmen, daß die im engeren Sinne Plastische oder Rekonstruktive Chirurgie das Ziel hat, die Form und Funktion der Körperoberfläche, die durch Fehlbildung, Fehlentwicklung, Erkrankung oder Verletzung verändert wurde, mittels chirurgischer Korrekturen
wenigsten zur Norm zurückzuführen, während Ästhetische Chirurgie das Ziel und da sie mit gesundem Gewebe arbeitet, die Möglichkeit hat, die oberste Grenze der Norm zu erreichen.
Daraus ergibt sich dann für die sittliche Handlung und ihre Beurteilung folgendes Prinzip: Sowohl der Plastische Chirurg als auch der Ästhetische Chirurg hat eine besondere Verantwortung, jene strukturelle und funktionale Norm zu kennen und diese über eine spezialisierte Ausbildung auf chirurgischem Weg anzustreben. Er muß sich Mitgefühl mit Verstümmelten und Entstellten sowie Verständnis für die erhöhte Sensibilität bei rein ästhetischen Fällen bewahren. Darüber hinaus muß er die Fähigkeit erwerben, jene Eingriffe vorzunehmen, die zu einer Wiederherstellung notwendig und sinnvoll sind, während er sinnlose und den Patienten in seiner Persönlichkeit überfordernde Operationen ablehnen soll, ohne sich hier von möglichen ökonomischen oder gar kommerziellen Überlegungen fremdbestimmen zu lassen.
Sowohl ethisch als auch rechtlich sind plastische Operationen mit einem Heilzweck von reinen "Schönheitsoperationen" also kosmetischen Eingriffen zu unterscheiden. Erfolgt eine Wiederherstellung von Form oder Funktion nach Krankheit oder Verletzung durch die Rekonstruktive Plastische Chirurgie oder eine Korrektur von angeborenen Form- oder Funktionsanomalien durch die Konstruktive Plastische Chirurgie, so besteht hier eine im Einzelfall zu erhebende medizinische Notwendigkeit und damit auch eine ethische Rechtfertigung.
Die
sog. "Schönheitschirurgie" ist differenziert zu betrachten. Sie bezweckt ja "primär eine reine Verbesserung der äußeren Erscheinung anhand ästhetischer Gesichtspunkte" und findet beim organisch "gesunden" Menschen Anwendung. Nur dann ist sie als therapeutische Maßnahme zu qualifizieren, wenn der Patient unter seiner Körperform oder gewissen Defekten unerträglich leidet. Hier sind subjektiver Leidensdruck und die Zumutbarkeit solcher Operationen für Arzt und Gesellschaft gegeneinander abzuwägen.Daraus wird schon ersichtlich, daß die
Plastische Chirurgie und damit auch die Ästhetische Chirurgie, sich nicht an passageren Schönheitsidealen und oder speziellen Wünschen der Patienten orientieren kann und darf wie das die kosmetische Chirurgie tut. Außerdem wird damit schon deutlich, daß man auch nicht einen isolierten Bereich des Körpers (z.B. Nase oder Busen) in den Mittelpunkt der Behandlung setzen darf, auch wenn dort eine chirurgische Maßnahme vorgenommen wird. Der behandelte Körperteil muß sich harmonisch in das äußere Erscheinngsbild aber auch in das innere, die Persönlichkeit, einfügen.Der Bedeutungswandel des Begriffes Plastische Chirurgie in der Bevölkerung
Leider hat sich mit zunehmender Kommerzialisierung der Medizin und somit auch der Plastischen Chirurgie das allgemeine Verständnis des Begriffes der jahrtausende alten Plastischen Chirurgie dramatisch gewandelt. Heute wird der "Plastische Chirurg" sofort mit dem eigentlich nicht existieren dürfenden "Schönheitschirurg" gleichgesetzt, wobei der letztere also reiner Nasen- und Busenformer und vor allem Fettabsauger, wegen der Publicity, des Umganges in der Schickeria und natürlich seinem hohen Einkommen, das größere Ansehen hat. Da nützt keine wissenschaftliche Ächtung der renommierten Gesellschaften. Zur Not schafft man einfach eine neue Gesellschaft, nimmt alles auf, was herein will und benennt es dann, nach nur 10-jährigem Bestehen einfach in:
??? Gesellschaft ???? Chirugie??? um.
Damit sind dann alle Mitglieder, Facharzt oder nicht Zusatzbezeichnuing oder nicht, in den Augen der Bevölkerung "Chirurgen". Die vorher akquirierte hohe Mitgliederzahl dient jetzt als Beweis für allgemeine Anerkennung und Seriosität. Da kann man nun getrost dann nur mit halb verdeckte Werbung als "Experte" (der dafür bezahlt als solcher genannt zu werden!) in gewissen lifstyle-Magazinen (auch und vor allem im internet, dem schwer zu kontrollierenden Medium der Zukunft!) werben. Man sieht, daß auch die Ärzteschaft nicht unerheblich an dieser unseligen Entwicklung beteiligt ist.
Definition der Ganzheitsmedizin
Unter Ganzheitsmedizin werden alle jene medizinischen Methoden zusammengefaßt, die ihrem Hintergrund nach den erkrankten Menschen als Ganzheit auffassen. Ganzheitsmedizin steht nicht im Widerspruch zur etablierten klinisch-universitären Medizin, sondern sie soll eine umfassende und der Methodenvielfalt gegenüber tolerante Medizin sein, die sowohl die naturwissenschaftlich ausgerichtete Medizin als auch die Erfahrungsheilkunde umfaßt. Ziel der Ganzheitsmedizin ist sowohl eine Integration aller wirksamen Formen der Behandlung von Kranken als auch aller Methoden zur Vermeidung von Krankheiten und ihrer Diagnostik.
Im engeren Sinn widmet sich die "Ganzheitsmedizin" all jenen Verfahren, die nicht - oder nur vereinzelt - an den Universitätskliniken gelehrt und beforscht, jedoch von Ärzten in der Praxis angewendet, oder von anderen Institutionen beforscht werden, um sie in den ärztlichen Alltag der Therapie und des Forschens einzugliedern.
Ein bekannter Lama hat einmal treffend ausgedrückt, daß die höchsten Belehrungen manchmal sehr einfach sind --- so einfach, daß sie einem leicht entgehen. Ähnlich verhält es sich mit dem Begriff "Ganzheitsmedizin". Er bedeutet doch eigentlich nur: den ganzen Menschen behandeln, um eine Heilung zu erreichen, nicht isoliert nur den Magen, die Nase oder das Ohr.
Gerade aber auch in der Plastischen Chirurgie geht es sehr häufig um viel mehr als um die Beseitigung eines Nasenhöckers oder den Aufbau eines zu klein geratenen Busens. Gerade hier, wo ja in vielen Fällen "nur" eine ästhetische Korrektur vorgenommen werden soll, muß der Patient besonders gründlich einer Ganzkörperuntersuchung unterzogen werden und auch psychologisch die Beweggründe seines Operationswunsches erkundet werden. Der seriöse Plastische Chirurg wird dann auch in vielen Fällen von einer Operation abraten müssen, ungeachtet des damit für ihn entstehenden Verdienstausfalles und auch ungeachtet des ebenso häufig noch bestehenden hartnäckigen Operationswunsches des Patienten. Lieder ist aber der Begriff "Ganzheitsmedizin" wie so vieles zum Schlagwort geworden, meist um irgend etwas, sei es Produkt oder Dienstleistung, zu verkaufen.
In Zusammenhang mit dem materialistischen-mechanistischem Weltbild, das schon von Descartes, einem französischen Philosophen entwickelt wurde, sah man den Menschen als Maschine an.
(Rene Descartes (lateinische Form: Renatus Cartesius) wurde am 31.März 1596 in La Haye, Touraine geboren und starb am 11.Februar 1650 in Stockholm. Descartes war der Begründer und maßgeblichste Vertreter des modernen Rationalismus. berühmten Satz vor, dem Ausgangspunkt seines Systems: "Cogito ergo sum" - Ich denke also bin ich.)Die Tätigkeit der Heilberufe wird damit zu einer Reparaturwerkstatt reduziert. Bei dem Patienten, der zur Behandlung kommt, ist nur irgendein Teil dieser Maschine kaputt und muß repariert werden. Manchmal kommt der Patient auch nur in die "Werkstatt", um sich ein bißchen tunen zu lassen, damit daß "Maschin-chen" nach mehr aussieht...
Was ist nun Krankheit? Krankheit ist ein Zustand in welchem sich der Organismus im Ungleichgewicht befindet. Diese Ungleichgewicht kann auch durch ein Mißfallen an dem eigenen Körper hervorgerufen werden. Hier haben wir wieder den Bezug zur Plastischen Chirurgie! In beiden Fällen will uns dann der Körper eine Botschaft übermitteln. Diese Botschaften unseres Körpers sind häufig in einer sehr schwer zu verstehenden Sprache formuliert, z.B. bei Infektion oder Unfall, oft aber auch ganz leicht verständlich, wie bei vielen psychosomatischen Leiden. Herz- und Magenschmerzen sind lange vor dem Auftreten eines Herzinfarktes oder eines Magengeschwüres vorhanden. Doch wir hören meist nicht auf diese zunächst leisen in einer einfachen Sprache gehaltenen Appelle. Dann wird diese Körpersprache massiver und komplizierter, manchmal so kompliziert, daß wir unsere eigene Existenz vernichten.
Das Ich—die Ursache der Krankheit
Es wäre natürlich völlig absurd, das Vorhandensein von Bakterien, Viren, Pilzen oder Toxinen (Giftstoffe) zu leugnen. Doch nur auf Grund des Vorhandenseins von Bakterien oder Viren wird nie jemand erkranken. Es muß etwas anderes hinzukommen. Der wichtigste Schritt zur Heilung ist somit, daß wir uns selbst erkennen und uns mit diesem Ich identifizieren. In dem Moment, wo wir erkennen, daß das Böse, das Schlechte, das was wir verneinen auch in uns selber ist, machen wir einen gewaltigen Schritt vorwärts. Dieser Schritt führt uns letztendlich von unserem Grundübel hinweg: dem polaren Denken. Wir müssen erkennen, das alles was außen, auch in uns selber vorhanden ist. Dabei dürfen wir uns nicht vom scheinbar Unmöglichen oder Unwahrscheinlichen abhalten lassen. Wir Ärzte begehen einen schweren ärztlichen Fehler, wenn wir uns auf das Wahrscheinliche unter Ausschluß des Möglichen begrenzen. Man sollte sich dabei auch das Wort Wahrscheinlichkeit genauer ansehen: dies ist nur ein Schein der Wahrheit.
Der Mensch – ein Teil eines großen Ganzen
Die ganheitliche Betrachtungsweise verlangt von uns, über uns hinauszugehen, unser Ich hinten anzustellen und uns nicht nur eins mit der Natur zu empfinden, sondern uns als Teil eines lebenden Organismus zu betrachten. Das mag zuerst ein wenig überspannt klingen, doch es gibt eine ernst zu nehmende wissenschaftliche Hypothese, die von dem Chemiker James Lovelock und der Mikrobiologin Lynn Margulis entwickelt wurde: die Gaia-Hypothese.
Die Gaia-Hypothese.
In der griechischen Mythologie ist "GAIA" die Erd- und Lebensgöttin. Die GAIA-Hypothese ist eine, von dem Kybernetiker und Klimatologen James Lovelock und der Mikrobiologin Lynn Margulis ausgearbeitete wissenschaftliche Konzeption des irdischen Ökosystems als lebendigem Organismus. Die GAIA-Hypothese besagt, daß unsere Erde ein intelligentes Lebewesen darstellt, das sich selbst steuert (Selbstorganisation) und optimiert. Der entscheidende Unterschied der GAIA-Hypothese zu konventionellen ökologischen Weltsichten besteht darin, daß die Kybernetik und die Steuerungsintelligenz von Gaia weitaus komplexer als die Ursache-Wirkungskette einfacher Umweltverschmutzungsphänomene sind. Sie gelangten zu der Schlußfolgerung das die beste Definition des Lebens nicht auf der Erforschung der Teile die ein Organismus enthält basieren sollte, sonders auf dem Ausmaß der Ordnung, in der diese Teile kombiniert sind. Das heißt wieviel Information in ihnen verschlüsselt ist. Die Forschungen von Lovelock und Margulis ergaben, daß das System Erde viel überlebensfähiger ist, als wir gemeinhin vermuten. Die Erde ist nicht wie die Geologen behaupten eine tote Steinkugel sondern ein Lebewesen, ein einziger großer Organismus, der sich genau die Umgebung schafft die er braucht.
Plastische Chirurgie als Ganzheitstherapie
Ohne irgendeine Institution oder Berufsparte angreifen zu wollen, müssen wir eingestehen, daß die Probleme in unserem Gesundheitswesen nur zu lösen sind, wenn wir ihm eine völlig neue Richtung geben. Wenn uns dies gelingt, lösen sie sich jedoch auf verblüffend einfache Weise. Hier nun schließt sich wieder der Kreis. Gerade im Bereich der Plastischen Chirurgie ist eine Korrektur häufig eine präventive Maßnahme --- zur Verhinderung von viel gravierenderen seelischen Erkrankungen. Leider hat sich dies bei den Kostenträgern nur in ganz geringem Maße durchgesetzt. Eine notwendige ästhetische Ohrmuschelkorrektur wird im Kindesalter von der Kasse übernommen – zur Verhinderung psychischer Störungen. Ein Erwachsener kann keine Kostenübernahme beanspruchen. Meinen die Krankenkassen etwa, daß der schon seine "Macke" weg hat und man nicht mehr helfen könne? Nur mit langwierigen komplizierten psychologischen und psychiatrischen Gutachten ist da etwas zu erreichen. Doch wenn der Patient diesen langen Leidensweg hinter sich hat, dann hat er wirklich einen Schaden an seiner Psyche davongetragen --- auch wenn
dieser vorher nicht vorhanden war.In der Ästhetischen Chirurgie fordern gerade nicht lebenswichtige Operationsindikationen die Verantwortung des Arztes heraus, der den Schaden und die Folgen der Operation gegen den Gewinn für den Betroffenen abwägen muß. Eine "Schönheitsoperation" kann auch psychologisch indiziert sein. Wer unter einer wie auch immer gearteten Andersartigkeit leidet, kann durch einen Eingriff möglicherweise von seelischen Leiden befreit werden. Dies ist aus Sicht einer christlichen Ethik ein Dienst aus recht verstandener Nächstenliebe. Praktisch trifft das beispielsweise auf die plastische Wiederherstellung der Brust einer Frau nach einer Amputation zu und natürlich auch bei Plastischen Gesichtsoperationen, die von Verunstaltungen befreien. Ein willkürliches und totales "Umoperieren", das das Aussehen drastisch verändert und oft nur mit beträchtlichem kommerziellen, medizinisch-technischen und organisatorischen Einsatz möglich ist (vgl. Michael Jackson), ist mit einer Verleugnung der eigenen Identität gleichzusetzen und aus ethischen Gründen nicht gerechtfertigt.
Schließlich kann auf der Seite des "Patienten" gegenüber dem Arzt ein Abhängigkeitsverhältnis entstehen, das in maßlose und unerfüllbare Forderungen umschlägt. Normalerweise verbietet sich die Ablehnung einer Behandlung in der Ethik des Arztberufes. In der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie ist das ärztliche Nein zu einem bestimmten Eingriff ausnahmsweise von besonderer Bedeutung für den guten Ruf des Arztes und das Wohl der Patienten.
Bei einer reinen "
Schönheitsoperation" ohne medizinische Indikation ist ein Höchstmaß an Aufklärung des "Patienten" durch den Arzt verlangt sowie dessen Zustimmung ("informed consent"). Nicht nur zur rechtlichen Absicherung, sondern auch aus ethischer Sicht gilt: die Einwilligung des Patienten entfaltet nur dann rechtfertigende Wirkung, wenn dieser in schonungsloser Offenheit und Härte über alle denkbaren Folgen und Unannehmlichkeiten informiert wurde.Ein verantwortungsvoller nicht primär gewinnorientierter Arzt, wird dies alles in Betracht ziehen und mit
"einem kleinen Schnitt einen grossen Schritt" nicht nur fuer den einzelnen Patienten machen, sondern fuer uns alle, denn gemäß der oben aufgeführten holistischen Betrachtungsweise gilt die Maxime:Gesundheitsfürsorge des Einzelnen = Gesundheitsfürsorge der Gesellschaft
Dem konnte sich sogar die höchste ethische Instanz, die wir in unserer westlichen Welt haben, der Papst, nicht entziehen. Pius XII. erklärte am 4.10.1958 vor dem 10. Kongreß der italienischen Gesellschaft für Plastische Chirurgie, daß "die Ästhetische Chirurgie, indem sie die Vollkommenheit des größten Werkes der Schöpfung, des Menschen, wiederherstellt, nicht im Widerspruch zum Willen Gottes" steht.
Besondere Aufmerksamkeit rufen immer wieder Geschlechtsumwandlungen hervor. Gerade diese unterliegen in besonderem Masse der ganzheitlichen Betrachtungsweise. Die primäre, genetisch-chromosomale Geschlechtsbestimmung ist von den äußeren, sekundären Geschlechtsmerkmalen zu unterscheiden. Wo ein Mensch aufgrund unzureichend ausgebildeter sekundärer Geschlechtsmerkmale Verwechslungen anheimfällt, die ihn zu einem Mann machen, obwohl er in Wirklichkeit eine Frau ist oder umgekehrt, erscheint es mehr als gerechtfertigt, im Sinn des therapeutischen Prinzips, eine Korrektur dieser äußeren Geschlechtsmerkmale durch plastische Chirurgie vorzunehmen. Hier wird nicht eine neue geschlechtliche Identität geschaffen, sondern der an sich bestehenden, aber bisher verdeckten oder nach außen hin scheinbar umgepolten sexuellen Identität wird die Möglichkeit gegeben, sich auch im äußeren Bereich zu offenbaren und zu entfalten. Eine psychologische und womöglich auch seelsorgliche Begleitung und Betreuung sollte in diesem Fall mit der chirurgischen Tätigkeit verbunden werden.
Ein rein willkürliches "Umoperieren" in ein anderes Geschlecht ist aber ethisch abzulehnen, da hier zwar äußere Erscheinungsmerkmale (auch unter Zuhilfenahme hormoneller Präparate) verändert werden, die genetische Identität aber dieselbe bleibt und daher ein Widerspruch in objektiver Hinsicht zwischen Geno- und Phänotypus geschaffen wird. Einfache psychische Befindlichkeiten in dem Sinn, daß sich jemand als Mann bzw. Frau fühlt, obwohl sein Körper im Sinn der genetischen Identität mit Sicherheit anders verfaßt ist, reichen nicht als Rechtfertigung dafür aus, die biologische Bestimmung als Mann und Frau operativ, in diesem Fall aber eben nur dem äußeren Anschein nach, umzupolen. Psychologisch bestehende Unstimmigkeiten sind in dieser Sicht als Leiden anzunehmen, wobei durch therapeutische Maßnahmen eine bessere Integration und Annahme der Persönlichkeit ermöglicht werden soll. Nur wenn dies nicht gelingt und der Leidensdruck ein die Existenz in ihrem Fühlen und Handeln massiv beeinträchtigendes Außmaß annimmt. Sollte eine operative Geschlechtsumwandlung in Betracht gezogen werden. Diese kann aber, besonders bei diesen Eingriffen, nur ein Teil der Behandlung sein. Es reicht mit Sicherheit nicht sekundäre und sogar primäre Geschlechtsmerkmale zu verändern, so perfekt die Technik und das Ergebnis auch sein mag. Es ist hier in besonderem Masse die Verantwortung des Operateurs gefordert. Er muß sich darüber klar werden, daß er nicht nur irgendeine Spezialisierung hat. Er darf nicht einfach ohne nachzudenken das technisch machbare vollziehen. Nein auch er muß "ganzer" sein ( oder zumindest werden!) und als Arzt mit allen den vielen schönen Facette, die dieser Beruf bietet, dem Patienten beistehen
"Medicus curat, natura sanat, Deus salvat!" – "Der Arzt pflegt, die Natur heilt, Gott rettet!"
In diesem lateinischen Sinnspruch werden verschiedene Dimensionen des Heilens in ihrer Bedeutsamkeit, aber auch in ihrem spezifischen Wert und Gehalt aufgezeigt. Der ärztliche Heilungsauftrag kann die menschliche Natur in der Dynamik ihrer Gesundheit und heilenden Regeneration nicht ersetzen; jede noch so ausgefeilte medizinische Technik und Maßnahme ist auf die Selbstheilungskraft des ganzen Organismus angewiesen. Schon gar nicht kann ein Arzt sich die Stelle Gottes anmaßen, der dem Menschen das Heil durch eine Operation schenkt.
Gott ist es, der den Menschen ganzheitlich "heil" macht, ihn heiligt. Darin besteht die Rettung aus Sünde und Tod, die Erlösung, die in dieser Welt ihren Anfang nimmt und sich in der Perspektive gottgeschenkter Ewigkeit vollendet – nicht ohne, sondern durch die Mitwirkung menschlicher Freiheit und besonders des ärztlichen Tuns. Dafür gebührt allen meine Ärzte-kollegen und vor allem deren Helferinnen und Helfern im Namen der leidenden Menschheit unser aller Dank!