Schöner als der "Busen der Natur"?

von Dr. med. F. U. Piechotta-Flemming


Eine schöne Brust wünscht sich jede Frau. Vielen ist hierfür jedes Mittel recht. Doch
Brustvergrößerungen sind nicht ungefährlich und auch nicht für jedes Alter zu empfehlen.


Kaum ein Körperteil des Menschen hat im täglichen Leben einen im wahrsten Sinne des Wortes
so hervorragenden Einfluss wie die beiden Hautanhangsdrüsen des weiblichen Körpers — die
weiblichen Brüste. Sie werden im allgemeinen fälschlicherweise auch als Busen bezeichnet,
obwohl der Busen ja nur der Einschnitt zwischen den beiden Hügelchen ist (Beispiel Meerbusen).
Ein großer "Busen" sichert entwicklungsgeschichtlich gesehen die Ernährung des Nachwuchses
durch die zu erwartende ausreichende Milchproduktion. Allerdings stellt der Mensch noch
weitere Ansprüche: Zu groß und wabbelig soll er, der Busen, nicht sein - straff und knackig,
ähnlich einer Mischung aus Apfel- und Birnenform, vor allem aber niemals zu klein, muss er sein.

Heutzutage geben viele Frauen alles, um ein solches Prachtstück hervorzubringen, falls Mutter
Natur es nicht so gut mit ihnen gemeint hat. Es wird gesalbt, massiert, geduscht und trainiert. Die
Miederindustrie hilft stützend und straffend mit push-ups und "wonderbra´s" nach, und wenn
das nicht reicht: mit Schaumgummi. Doch die Salbungen und Massagen bringen in der Regel
nichts und die BH´s kann man ja nicht immer anbehalten? Also ist der plastische oder
kosmetische Chirurg gefragt.

Wunderstoff Silikon
Seit der Entwicklung der Polymere ist fast jedes erdenkliche Material als Implantat ausprobiert
worden. Am besten haben bisher die auch sonst in der Medizin zum Gewebeersatz verwendeten
Silikone abgeschnitten. Silikon, ein Stoff, den es in der Natur eigenartigerweise nicht gibt, verhält
sich in seinem Vernetzungsverhalten ähnlich den bekannten Kohlenwasserstoffen - es reicht, je
nach Polymerisationsgrad, von flüssig über gelförmig und schwammartig bis hin zu fest. Im
Gegensatz zu den Kohlenwasserstoffen ist Silikon fast völlig reaktionsfrei und daher optimal
verträglich.
Der Stoff ist hauptsächlich durch den exzessiven und von Profitgier getragenen Einsatz von
flüssigem Silikon in Verruf gekommen, das zwar keine gefährlichen Tumore, aber kleine Granulome,
die sogenannten Silikonome hervorrufen kann. Das gelförmige Silikon, in den zur
Brustvergrößerung oder zum Ersatz nach Krebsoperationen verwendeten Implantaten, enthält
leider auch geringe Restmengen von flüssigem Silikon. Dieses Öl kann dann durch die Silikonhülle
wandern und unter Umständen Reaktionen im Körper hervorrufen.

Dieses Risiko hängt im Wesentlichen von den verwendeten Produkten ab. Die Reaktionen
(rheumatisch, allergisch) treten allerdings auch nur bei einem geringen Teil der operierten Frauen
auf. Doch selbst das geringste Risiko sollte ausgeschaltet werden. Das heißt: keine überflüssigen
Operationen! Auch bei einer äußerlich rein kosmetischen Operation muss die medizinische
Notwendigkeit in Form von Leidensdruck gegeben sein.

Vorraussetzungen für eine Operation
Es sollten nur gesunde Patienten (Krebspatienten sind da die Ausnahme) ohne allergische
Disposition operiert werden. Zudem sollte die beste Technik, das heißt örtliche Betäubung bei
ambulanter OP, angewendet werden, um den Körper und die Seele nicht unnötig durch Narkose
und Krankenhausaufenthalte zu belasten. Außerdem sollte nur ein ausgebildeter plastischer
Chirurg diesen Eingriff vornehmen, der gelernt hat, atraumatisch, das heißt gewebeschonend, zu
operieren. Der Operateur sollte nur Qualitätsware verwenden. Dann werden die Ergebnisse auch
entsprechend gut sein, denn Silikon ist immer noch das beste Material zum Gewebeersatz.

Auch die Jugend will schön sein
Heute werden immer mehr Minderjährige kritiklos und ohne groß nachzufragen operiert. Sei es aus
Unkenntnis oder Profitgier. Dieses Problem existiert, und man kann nicht eindringlich genug davor
warnen.
Die weibliche Brustdrüse ist zwar häufig mit 13 oder 15 Jahren schon erstaunlich gut entwickelt,
aber in der Regel nicht ausgewachsen. Nicht selten wird aus einem zu kleinen Busen, den ein 13-
jähriges Mädchen größer haben will, mit 18 oder 20 ein zu großer Busen, der dann verkleinert
werden muss. Für den gewissenlosen Operateur ist dies natürlich ein gefundenes Fressen, denn
dann kann er zweimal operieren und zweimal abkassieren!

Daher ist die Entscheidung des Europäischen Parlamentes vom 29.05.2001, für diese Eingriffe ein
Mindestalter von 18 Jahren zu fordern, nur zu begrüßen! Es sollen zudem umfangreiche
Richtlinien für solche Eingriffe ausgearbeitet werden.


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