Tod nach Fettabsaugung

von Prof. Dr. I. Flemming

Den werbenden Worten: "Bei uns werden Sie schön und gesund" konnte eine 45-jährige Frau
nicht widerstehen. Das Ergebnis ist tragisch. Ein böses Erwachen gab es leider nicht.


Laut einer dpa-Meldung ermittelt die Staatsanwaltschaft München wegen fahrlässiger Tötung
gegen zwei Ärzte, einen Operateur und eine Anästhesistin.
Bei einer 45-jährigen Russin wurde in der Praxis eines Arztes eine Fettabsaugung in Vollnarkose
versucht. Dabei war angeblich ein Sauerstoffmangel, also ein Narkosefehler, die Todesursache der
später auf einer Intensivstation verstorbenen Patientin.

Sie war mit einer Annonce (in russisch), die sich offensichtlich an die etwas beleibten aber auch
gut betuchten Exilrussen in München richtete, in die Praxis des Arztes gelockt worden. "Bei uns
werden Sie schön und gesund" hieß es in der Anzeige. Das Gegenteil trat offensichtlich ein.

Dies soll der Anlass zu einigen kritischen Bemerkungen und Warnungen bezüglich ambulant
durchgeführter Schönheitsoperationen sein.


Nicht lebensnotwendige Operationen, sollten nach Möglichkeit ambulant und in Lokalanästhesie,
nicht aber in Vollnarkose durchgeführt werden.

Dies erfordert neben der sowieso üblichen, eine besonders intensive Aufklärung.

Auch wenn es altmodisch erscheinen mag: Ein Arzt, der wirbt – und noch dazu mit einem solchen
Text - hat es nötig, denn er würde sonst keine Patienten bekommen. Bei einem Arzt, der seine
Patienten durch Mund-zu-Mund-Propaganda bezieht, ist man in der Regel immer noch am besten
aufgehoben.
Abschließend sei noch ein generelles Wort zu der übermäßig technisierten Apparatemedizin
heutzutage gesagt. Bezüglich eines möglichen Narkosefehlers wurde in oben genanntem Fall als
Schutzbehauptung angeführt, dass das "Pulsoxymeter" (Gerät, das den Sauerstoffgehalt des
Blutes durch einen Fingerclipp misst) defekt gewesen wäre, und erst eine Verlangsamung des
Herzschlages die Aufmerksamkeit der Anästhesistin erregte.

Es ist eine Schande, das ein Operateur so wenig Verständnis haben soll, dass er nicht eine
veränderte Sauerstoffsättigung an der Farbe des Blutes erkennt. Ganz zu schweigen von dem
Anästhesisten, der die Körperfunktionen auch anders überwachen kann, als nur mit einem
Pulsoxymeter. Zudem sollte ein Operateur immer auch auf den Gesamtzustand des Patienten
achten und sich nicht nur auf die Operation beschränken. Ein Umstand, der ja bei der
Lokalanästhesie zu einem absoluten Muss wird, selbst wenn man diese überflüssigerweise von
einem Anästhesisten überwachen lässt.


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