Wir befolgen die HONcode Prinzipien. Verify here.
Wir befolgen die HONcode Prinzipien. Verify here.
Face off
Plastische- und Kosmetische Chirurgie in Film und Realität
von Dr. F.-U. Piechotta-Flemming
Die elitäre Arroganz und Ignoranz der Filmschaffenden
Film und Fernsehen sind heutzutage die unumstrittenen Meinungsbildner. Beliebt sind dabei pseudo-realistische Darstellungen, die den Eindruck erwecken sollen, es handele sich bei dem Dargestellten um erwiesene Fakten. Bei den Western, welche den Landraub und die Ausrottung der Indianer Nordamerikas völlig verdreht als Verteidigung vor den bösen Rothäuten zeigten, ist noch eine klare Absicht zu erkennen, nämlich die Schuld der europäischen Invasoren zu vertuschen. Doch bei den auf der Leinwand angedeuteten oder gezeigten plastischen- und/ oder kosmetischen Operationen sieht man keine wie auch immer geartete Rechtfertigung dem Zuschauer völligen Unsinn vorzusetzen --- bis auf die Tatsache, daß ansonsten u.U. so mancher Film ungedreht geblieben wäre oder seine Pointe verloren hätte...
Die Phantastereien der Filmemacher
Viele kennen sicher den Film "Face off" mit John Travolta in der Hauptrolle. Gut gespielt, wenn, ja wenn nicht diese schreckliche Ungereimtheit mit der abgezogenen Gesichtshaut des Verbrechers wäre, die dann dem "Guten" übergezogen wurde wie eine Latexmaske, damit er undercover arbeiten konnte. Zunächst einmal ist dazu zu sagen, daß selbst in ferner Zukunft ein so großer Hautlappen als freies Transplantat ohne ernährende Gefäßstiele sicher auch nicht anwachsen würde. Sodann ist es wohl kaum möglich, die unter der Haut liegenden Strukturen so zu manipulieren, daß sie dem Spender haargenau entsprechen. Stirn, Jochbein, knöcherne und knorplige Nase, sowie Ober- und Unterkiefer müssen einander milimetergenau gleichen. Sodann muß auch die Haut die gleiche Struktur und Pigmentierung haben, um den Übergang von Spenderhaut und Empfängerhaut nicht zu sehen, und, und, und... Sicher haben die "Macher" mal eine dieser Reagan- oder Kennedy-masken aufgesetzt oder einige Fantomas-Filme gesehen. Diese Masken haben aber eine Struktur und es fast keine Mimik damit möglich. Es ist schon ein starkes Stück, was man da vom Zuschauer an Entgegenkommen erwartet. Aber der ist ja geduldig, liefert man im nur ein paar Stars wie Cage oder Travolta...Ist der Rest des Filmes gut aufgemacht und bietet gar "Aktion", so ist man bereit vieles zu vergessen und zu verzeihen. Das Problem bei solchen Schinken ist nur, daß eine erschreckend große Anzahl Unbedarfter diesen Blödsinn für bare Münze halten...
Die Realität sieht ganz anders aus
In den frühen Gansterfilmen hatten auch die bösen, geldgierigen (womit sie nicht ganz unrecht haben) sog. Schönheitschirurgen
(wohlgemerkt Schönheitschirurgen sind solche nicht eigentlich Ärzte genannt werden dürfende Individuen, die für Geld auch sinnlose, ja der Ethik widersprechende Eingriffe ausführen) immer wieder den Ganoven ein neues Outfit verpassen müssen, aber man bemühte sich doch, noch in den Grenzen des Machbaren zu bleiben: Eine Nase wurde höckerfrei oder bekam gar einen, das Kinn wurde größer oder kleiner, die Backenknochen wurden unterpolstert und der Haaransatz wurde ggf. verändert. Ein gewachsener oder abrasierter Bart kann aber schon alleine ein Gesicht verändern. Setzt man dann noch eine Brille auf oder gibt man einem Brillenträger Kontaktlinsen, so kann man eigentlich auf eine Operation verzichten, will man die äußere Erscheinung nur so verändern, daß man nicht erkannt wird. Das genaue Aussehen eines anderen Menschen zu erreichen ist aber weder operativ noch mit den erwähnten Masken kaum möglich, auch wenn einem das in "Mission impossible & Co." immer wieder vorgegaukelt wird. Das berühmte Abziehen der Maske nach erfolgreicher Mission bei mimiklosem Gesicht ist kein Beweis dafür, daß man mit so einer Maske perfekt und lebendig auftreten kann und selbst von engsten Mitarbeitern nicht als Undercoveragent erkannt wird ...Was ist denn nun machbar?
Zum Abschluß wollen wir hier nun kurz erläutern, was die Plastische- und Kosmetische Chirurgie denn nun wirklich machen kann (s. auch ausführlicher beschrieben unter "Plastische Chirurgie, was ist das eigentlich):
All diese Eingriffe haben Krankheitswert, wenn sie den Kriterien des dem Patienten entstehenden Leidensdruck entsprechen. Ein seriöser Operateur achtet darauf und lehnt rein modebedingte oder nur die Sensationslust befriedigende Eingriffe (Dolly Dollar & Co) ab. Ein sog. Schönheitschirurg macht aber alles, was ihm Geld bringt, ohne auf die notwendige Einheit von Form und Funktion zu achten. Die sog. "Schönheitschirurgie" ist daher auch kein Teil der Plastischen Chirurgie und der Begriff ist ein reines Kunstprodukt der Regenbogenpresse. Eine seriöse eingehende Beratung vor einem Eingriff ist daher unabdingbare Voraussetzung für diesen. Operateuren, die "kostenlose und unverbindliche Beratungen anbieten ist daher zu mißtrauen, wollen sie doch wie ein Autoverkäufer nur Produkt verkaufen. Eine Beratung sollte aber eine eigenständige Leistung sein und als solche auch in Rechnung gestellt werden. Sie kann jedoch bei nachfolgender Operation als Teil der Vorbehandlung mit verrechnet werden. Ordnungsgemäß niedergelassene Ärzte mit Kassenzulassung, können die Beratung ggf. über die Kasse abrechnen, da man häufig nicht wissen kann, ob der Eingriff als reine Wiederherstellung medizinisch notwendig ist oder nur auf Grund des Leidensdruckes ausgeführt werden sollte. Letzterer hat zwar Krankheitswert, wird aber von den Kassen nur unter bestimmten Bedingungen und nach zermürbenden psychiatrischen Gutachten übernommen. Nichtsdestotrotz ist die Beratung über "Kasse" völlig legitim, da man vorher die Gewichtung der kosmetischen Komponente noch nicht kennt.