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Der geteilte Busen

Der geteilte Busen

neues von Dr. Frankenstein

heute will ich Euch einmal eine echte "Bild-Zeitungs-geschichte" erzählen, nicht um die Akzeptanz meiner Artikel durch die Befriedigung der in jedem von uns hausenden Sensationslust zu erhöhen, sondern um die möglichen Ergebnisse kosmetischer Eingriffe einmal nicht nur durch die berühmte rosarote Brille anzuschauen. Es ist leider nicht immer so, wie es Hochglanzprospekte oder redegewandte kaufmännisch geschickte aber medizinisch inkompetente Doktoren es darzustellen versuchen. Doch hört einmal selber:

 

Eine wahre Geschichte

Vor nicht allzulanger Zeit kam eine junge hübsche Frau zu uns, schlank sportlich, von Beruf Krankengymnastin, also eigentlich die ideale Patientin. Auf den ersten Blick war ihr nicht anzumerken unter was für seelischen Qualen sie litt und es war auch kein körperlicher Defekt zu entdecken. Sie war mittelgroß, schlank, hatte ein offenes, gewinnendes Lachen, wunderschöne Augen, hinreißend lange Kräuselhaare und überall genau die richtigen Proportionen. Auf die übliche, in ihrem Falle natürlich noch logischere Frage, was sie denn zu uns führe, entledigte sie sich schweigend ihrer Bluse und ihres BH´s --- und brach in Tränen aus. Unverständig blickten Prof. Flemming und ich auf einen perfekt geformt zu sein scheinenden Busen... Nachdem die junge Frau sich ein wenig beruhigt hatte und die Tränen getrocknet waren, so daß sie wieder in der Lage war zu sprechen, sagte sie:" Sie meinen, es ist alles in Ordnung? Na dann schauen Sie einmal genau her!":

Die Patientin hob die Arme hoch, spannte die Brustmuskeln an und --- wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen --- sie hatte auf einmal drei asymmetrisch verteilte Brüste, einen allerdings ohne Brustwarze. Die linke Brust war in zwei Teile geteilt und die rechte wurde kugelig zusammengedrückt nach oben verschoben...

 

Doktorchen macht einen Kurs mit, schleift das Skalpell und --- legt los...

Nachdem wir uns wieder gefangen hatten kam bei einer eingehenden Untersuchung heraus, das der Meister des Skalpells offensichtlich zwei nicht zu kombinierende Methoden der Brustimplantation durch operative Unfähigkeit und ungenügende Schulung zusammen angewandt hatte: auf der linken Seite hatte er das Kissen zur Hälfte auf und zur Hälfte unter dem Brustmuskel implantiert. Das hatte nun zur Folge, daß der Muskel bei jedem Anspannen das Implantat teilte. Rechts hatte er hingegen offensichtlich eine zu kleine Tasche geformt so daß das Anspannen ein Zusammendrücken des Implantates zu einer Kugel zur Folge hatte..

 

Beklagenswerterweise ist vom Klagen abzuraten

Der Schaden war verhältnismäßig schnell behoben. Es wurden eben nur die Taschen in der richtigen Größe und in der selben Ebene --- wir wählten unserer Überzeugung folgend die subpectorale Implantation, also die Tasche unter dem Brustmuskel. Es bleibt aber unverständlich, wie so ein Murks überhaupt gemacht werden konnte und dann nicht einmal im Laufe der Nachbehandlung bemerkt wurde. Einzige Lösung: der Operateur war sowohl während der Operation als auch bei der Nachbehandlung --- also eigentlich immer --- sternhagelvoll! Leider sind uns solche "Schönheitschirurgen" sogar persönlich bekannt. Vielleicht müssen sie sich, ob Ihrer mangelhaften Ausbildung Mut antrinken und/oder sie wollen ihre vielen mißlungenen Operationsergebnisse und die Regressforderungen vergessen... Die junge Dame übrigens hätte zu Recht den "Operateur" verklagen können. Wir rieten aber wegen der voraussichtlich sich länger hinziehenden Prozessdauer (so ist unsere Rechtsprechung leider nun mal) und der damit verbundenen psychischen Belastung ab. Hier muß aber letztendlich der Geschädigte selber entscheiden, ob ihm die zu erwartende Erstattung der Operationskosten und die lächerlich kleine Entschädigungssumme die Mühe Wert sind. Im Gegensatz zu den USA, wo wiederum unverhältnismäßig hohe Beträge gezahlt werden, haben wir hier immer noch lächerliche Beträge, die sich an einer veralteten Gliedertaxe orientieren, die den Verlust von Arm oder Bein nur in Höhe von 2-stelligen Tausenderbeträgen wiedergutmachen.