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Ars vivendi --- die Kunst zu leben
Dr. F.-U. Piechotta-Flemming
Nicht nur die Fakten zählen...
die meisten, die meine Artikel lesen, suchen und finden mit Sicherheit dort knallharte Fakten über Operationstechniken, Materialien und fachkundige Ratschläge, wie man sich im Dschungel unseres Gesundheitssystems und vor allem in dem Randgebiet der Plastischen und Kosmetischen Chirurgie verhalten soll. Immer wieder habe ich aber auch versucht, zumindest zwischen den Zeilen, ein wenig tiefer zu gehen. Ich will zwar nicht zu sehr in die Philosophie abdriften, aber es liegt mir am Herzen allen zumindest die Tür zu zeigen die dahin führt, was ich wesentlich finde. Vielleicht kann ich sie sogar einen Spalt öffnen... Aufmachen und hindurchgehen müßt Ihr jedoch alleine, aber ich verspreche Euch, daß Ihr nach solch einem kleinen Spaziergang jenseits unserer "normalen" Realität alles mit ganz anderen Augen betrachten und vieles ganz anders werten werdet.
Ist Über-leben wirklich alles?
In unserer ökonomisch und ökologisch immer schwieriger werdenden Umwelt scheint es vielen schon, ironisch ausgedrückt, eine Kunst überhaupt so recht und schlecht über die Runden zu kommen. Dieser tägliche Kampf in "feindlichem" Umfeld verschiebt unsere Werte immer mehr zu dem hier und jetzt real Faßbarem. Für mehr bleibt anscheinend oft keine Zeit. Dieses rein materialistische Weltbild bleibt auch bestehen, wenn es uns äußerlich gut zu gehen scheint. Unser Bestreben nach Schönheit beschränkt sich zum Beispiel sehr häufig rein auf unserer eigenes Äußeres. Daher der Boom der sog. "Schönheitschirurgie". Ein perfektes Aussehen scheint der Garant für gesellschaftlichen Erfolg zu sein und ist es leider auch manchmal... Daher auch die unzähligen Anfragen an uns, die richtigen operativen Techniken betreffend etc. Unglücklicherweise bringen aber selbst technisch perfekt ausgeführte Eingriffe nicht immer den erhofften Gewinn mit sich. Das liegt daran, daß der Ansatz schon falsch war, daß gewissermaßen ein guter Same in ein Dornenfeld gesät wurde...
Den richtigen Blickwinkel finden
Um also unsere Scheuklappen abzulegen müssen wir versuchen, alles von einer anderen Warte aus zu betrachten. Dabei hilft uns dann, uns ein wenig mit einem Gebiet zu befassen, daß nicht so leicht zu be-
greifen ist und deshalb allen totalitären Regimen stets unheimlich war: die Kunst in jeder Form. Hier betritt man nämlich einen nicht zu reglementierenden Bereich (wo das versucht wurde, bei der sog. "Staatskunst" in Musik oder Monumenten ist nie wirkliche Kunst entstanden!). Es ist dies etwas jenseits des Alltäglichen obwohl man ihm doch paradoxerweise täglich begegnen kann --- wenn man nur die Augen dafür öffnet...Ich will hier keine korrekte wissenschaftliche Definition von Kunst liefern --- dafür fehlt mir die Kompetenz. Ich möchte aber aufzeigen, was Du und ich, also ein jeder von uns unter Kunst verstehen kann. Ich will versuchen ein wenig die besagte Tür zu öffnen, um alle bislang mit dem was ist, nicht Zufriedenen ein wenig neugierig zu machen auf das, was sein könnte...
Das verlorene Paradies?
Wir müssen uns für "meine" Definition der Kunst nur einmal klar machen, daß eigentlich nichts fließbandmäßig von statten gehen sollte, daß eigentlich alles in jedem Augenblick etwas besonderes sein sollte. Dann werden wir auch sofort erkennen, daß die besagten Kosmetischen Operationen über das natürlich zu fordernde technische Know-how einen weitaus tieferen individuellen Aspekt haben. Der echte plastische Chirurg schafft mit jeder Operation ein unverwechselbares nicht zu wiederholendes Kunstwerk, ein Unikat. Gehen wir von da aus weiter und schauen uns Bilder und Plastiken an oder hören "richtige" Musik oder gehen in die Oper oder ins Theater, werden wir der Einzigartigkeit des Betrachtens und Er-
lebens dann plötzlich bewußt! Dieses "Aha"-Erlebnis kann dann der Moment des Öffnens der bislang verborgenen Tür in unserem Leben sein. Wir erkennen plötzlich, daß ein wirkliches Leben ohne Kunst gar nicht möglich ist und daß wirkliches bewußtes Leben eine Kunst im wahrsten Sinne des Wortes ist. Das führt uns dann auch weg von der Oberflächlichkeit der modernen Konsumgesellschaft und läßt uns vieles anders sehen. Wir können auf einmal auch erkennen, ob z.B. eine kosmetische Operation wirklich das Leben erfüllter und besser gestalten kann. Wir haben hinter dieser Tür so etwas wie einen Garten Eden entdeckt --- unser kleines, ganz privates Paradies...