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Der Stein der Weisen

Der Stein der Weisen

 

Das cartesianische dualistische Weltbild führt auch im Heilwesen sogar den ernsthaft Forschenden seit allen Zeiten immer wieder aufs neue in Sackgassen, die ihm als die erhoffte Lösung aller Probleme erscheinen. Dabei maskieren sich diese Lösungen raffinierterweise sogar als Ergebnisse einer holistischen Suche. Unser in drei Dimensionen eingesperrter Geist verträgt, in begrenztem Umfange allerdings, höchstens noch die Zeit als vierte Dimension. Für alles darüberhinausgehende sind wir genauso beschränkt wie die immer wieder zitierten 2-dimensionalen Plattwürmer, die mit einem einfachen Bleistiftstrich gestoppt werden können. Der Wissende kennt die Heisenberg`sche Unschärferelation als Ursache dieser Beschränktheit. Doch auch er unterliegt immer wieder den gleichen Sinnestäuschungen. Wie soll man auch verstehen, daß unter bestimmten Umständen--- so in der subatomaren Welt ---das Ergebnis eines Experimentes von dem Aufbau und der Erwartungshaltung des Experimentators abhängen. Einfach ausgedrückt: das Experiment verläuft so, wie es der Experimentator erwartet oder erwünscht. Die Regeln der klassischen Physik sind damit außer Kraft gesetzt und das dualistische Denken läßt uns immer glauben, daß das jeweils erzielte Ergebnis das einzig richtige sei.

Diese Erklärung läßt uns dann die unzähligen alternativen Heilmethoden besser verstehen, vor allem die Tatsache, daß die Verfechter jeder dieser unzähligen Therapieansätze zweifelsohne beachtliche Erfolge erzielen. Diese Erfolge sind aber bei entsprechender Konditionierung der Patienten und auch der neuen Therapeuten mit fast allen Methoden im gleichen Maße zu erzielen --- bei identischem Krankheitsbild.

Schamanische Wolfswanderungen, Hawaianische Körperarbeit, Yoga, Tantra, die zahllosen Atem- und Körpertherapien, Spirituelle Therapien nach Osho (es gibt mehrere, abhängig vom jeweiligen Schüler!), Hermetische Psychotherapien nach Detlefsen/Dahlke, Initiatische Therapie nach Dürckheim, Enlightment intensive nach Charles Berner und natürlich die Jungsche Psychoanalyse, Rebirthing, Bioresonnanz, die unterschiedlichen Massagetherapie, Edelsteintherapie und Vegatest sind nur eine kleine Auswahl des Angebotes, das auf den Kranken und auch angehenden Therapeuten mit elementarer Wucht niederprasselt, wenn er sich suchend in einschlägigen Zeitschriften umschaut. Glücklicherweise kommen die meisten Menschen durch Schicksalsfügung in der Regel nur mit einer Therapie in Kontakt, die dann --- bei positiver Auswirkung--- als die einzige wahre angesehen wird. Zaghaftes Umschauen in andere Bereiche liefert wegen der erfolgten Prägung nur bei vewandten, sich ergänzenden Gebieten, Erfolge. Andere, weiter entfernte Bereiche, funktionieren nicht, entweder aus Angst oder aus Skepsis, ja vielfach wird ihnen nicht einmal ein positiver Effekt bei anderen zugestanden. Es ist dies ähnlich, wie bei den überzeugten Gläubigen einer Religionsgemeinschaft, die sogar wirklich verwandte nicht akzeptieren. Man denke nur an die unglaublich tiefen Schluchten zwischen den drei großen monotheistischen Religionen: Juden, Christen und Mohamedaner, die alle sogar noch an den einen Urvater Abraham glauben!

Woran liegt es aber, daß alle die oben erwähnten Methoden unstreitig beachtliche Erfolge verzeichnen können, aber nicht bei jedem? Sie sind meist nicht durch die Schulmedizin durch jeden Studenten erlernbar und reproduzierbar. Sie verlangen vielmehr ein gläubiges Einarbeiten und ein absolutes Tolerieren der Therapie --- ohne dabei als reiner Placeboeffekt abgetan werden zu können. Dies erschwert natürlich die Auswahl und auch die Trennung des Spreus von dem Weizen --- ebenso die wirklichen Heiler von den Scharlatanen, die nur profitgierig aber ungläubig, einzelne Verfahren anwenden und diese damit wegen des zu erwartenden Ausbleibens der Erfolge in Mißkredit bringen. Urkunden und Diplome helfen hier wenig, da sie ja meist nur das Absolvieren von Kursen bescheinigen und meist keine echte Prüfung in Theorie und Praxis (=Heilung) beinhalten. Es ist als wenn man einen Führerschein ohne Prüfung und Fahrpraxis bekäme, nur durch das Absolvieren und natürlich das Bezahlen der theoretischen Kurse. Dies ist ein für das Allgemeinwohl äußerst gefährlicher Gesichtspunkt. Wie sollen aber mangels staatliche Anerkennung der alternativen Heilverfahren Kontrollen und Zertifikate aussehen? Häufig kommt ja noch von staatlicher Seite eine aus Geringschätzung entstehende Verharmlosung der meisten Methoden hinzu, ohne die innewohnende Gefahr mißbräuchlicher Anwendung zu beachten. Diese kann ja auch in der Unterlassung anerkannter nachgewiesener wirklich heilender Praktiken bestehen.

Hier ist die Selbstorganisation der unterschiedlichen alternativen Schulen gefragt, die unabhängig vom Profit durch viele Schüler, Zertifikate nur bei nachgewiesener erfolgreicher selbstständiger Tätigkeit unter Supervision eines in dem betreffenden Gebiet Erfahrenen, erteilt werden dürften. Ein schöner Traum? Ich glaube, daß dem nicht so ist, denn wenn das Qualitätsmanagement schon alle Bereiche der Wirtschaft umfaßt und auch Einzug hält in die anerkannten, auf Universitäten gelehrten medizinischen Fachgebiete, so wird der Patient über kurz oder lang dies auch im alternativen Bereich erwarten. Hoffentlich!