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Einleitung
In den Musikbesprechungen werde ich in der Regel nicht an fachkundige Klassikhoerer das Wort
richten, sondern in der Mehrzahl an diejenigen, welche ich im Rahmen des Angebotes „Biotheater"
auch zu einem der maechtigsten Manipulatoren der menschlichen Psyche und damit auch des
Wohlbefindens und der Gesundheit, hinfuehren moechte: der Musik. Hierunter verstehe ich aber
„richtige" Musik und keine kurzen eingaengigen Melodiechen, seien es nun moderne oder „first
class" klassische... Ich bitte daher geschultere Leser um Nachsicht, wenn ich nicht nur
Spitzfindigkeiten und Unbekanntes bringe, wie es normalerweise in der einschlaegigen Presse zu
finden ist, sondern fuer Musikliebhaber manchmal ganz banale Tatsachen... Zur
allgemeinen Information und auch teils Begriffserklaerung empfehle ich folgenden link:
http://www.klassika.info/index.html Ich betone ausdruecklich, dass ich hier keine Werbung
fuer irgendeinen onlineshop, der fast an alle diese und aehnliche Seiten angeschlossen ist oder
diese haeufig sogar erstellt hat, Werbung machen will. Dort ist alles nur schoen buendig. Anstelle
sich eine CD zu bestellen, rate ich lieber zu einem Konzertbesuch, z. B. im Kammermusiksaal der
Philharmonie Berlin ?!


Kammerorchster International
Di. 21.01.2003 20:00 Grosser Saal Konzerthaus Berlin

Dieser Abend war ein einziger Genuss! Nicht weil ein gewaltiges Musikwerk aufgefuehrt wurde, sondern weil der
Anwesende sich von dem sagenhaften praezisen und traumwandlerischen Zusammenspiel des hier in Berlin
vertretenen Teiles der beruehmten Academy of St.-Martin-in-the-Fields ueberzeugen konnte. Die Mitglieder sind so
aufeinander eingespielt, dass sie auch ohne ihren Dirigenten auf Lebenszeit, dem genialen Sir Nevill Merriner,
Musik allerhoechsterr Qualitaet lieferten. Es war gar nicht noetig, dass Konzertmeister Kenneth Sillito irgendwelche
Einsaetze gab: es lief wie von Zauberhand gesteuert. Das heisst aber nicht, dass jeder fuer sich alleine seine Noten
vom Blatt spielte. Dann braucht man ja auch keinen Dirigenten, wenn das so einfach ist, gute Musik zu machen.
Nein einer achtete auf den anderren. Dem aufmerksamen Zuschauer werden nicht die Blickkontakte und die vielen
kleinen „Minieinsaetze" die das Ensemble sich selber untereinander gab, entgangen sein. Das alleine miterleben zu
duerfen, war schon der Abend wert!

Zur Auffuehrung gelangten eine Suite „im alten Stil" von Edward Grieg „Aus Holbergs Zeit". Grieg (15.6.1843
Grieg wird in Bergen in Norwegen geboren. Am 4.9.1907 Grieg stirbt an den Folgen eines Herzinfarkts ) schuf mit
seinem Werk eine hommage an Holberg. Ludvig HOLBERG,gilt als der erste dänische und norwegische Klassiker
der Neuzeit.(: * 3.12. 1684 Bergen/Norwegen, † 28.1. 1754 Kopenhagen) Er schuf in über 28 Komödien satirische
Abbilder seiner Zeit - besonders deutlich in seinem komischen Heldenepos »Peder Paars« (1719/20), in dem er ein
satirisches Dänemarkbild entwarf. Diese Suite habe ich schon oft gehoert, aber nie mit einer solch charmanten
Leichtigkeit! Als naechstes hoerten wir ein kurzes 6-minuetiges Stueck von Franz Schreker (geboren 1878 in
Monaco - gestorben 1934 in Berlin), einem weniger bekannten aber begabten lange Zeit in Wien lebenden
Komponisten, der mit eben diesem Stueck auf einen Schlag in der damaligen Musikszene bekannt wurde. Dann
jedoch trat Hakan Hardenberger auf. Schon optisch eine wundervolle Abwechslung! Ein stattlicher Mann, ganz in
schwarz gekleidet mit einer winzigen (Piccolo-) goldenen Trompete. Aber wie klanggewaltig er dieses kleine
Musikinstrument bediente! Hardenberger war mit dem Konzert fuer Trompete und Orchester von Leopold Mozart
und den Magnificat-Variationen des Zeitgenossen Bernhard Krol, der 1981 das Bundesverdienstkreuz erhielt
(Bernhard Krol, geboren 24. Juni 1920 in Berlin) der Hoehepunkt des Abends! Hardenberger, der Musiker aus
Malmö, der mit acht Jahren eine alte Trompete zu Weihnachten bekam und sich sofort völlig davon vereinnahmen
ließ, steht in engem Kontakt mit Komponisten unserer Zeit: Henze, Takemitsu, Turnage, Ligeti, Pärt und Birtwistle
haben ihm bereits Werke gewidmet. Hardenberger leitetete die beiden Stuecke in kollegialer Form, er dirigiert nicht.
Ein enges Freundschaftsverhaeltnis verbindet ihn mit der Academy of St. Martin-in-the-Fields, mit der er seit dem
Beginn seiner Karriere regelmäßig musiziert. (Doch seit kurzem vertauscht er hin und wieder die Trompete mit dem
Taktstock..)
Der Abend klang aus mit den bekannten Klaengen von Antonin Dvorak´s ( 1841-1904) Serenate fuer
Streichorchester in E-dur op.22

Leopold
Mozart
Schreker
Kroll
Dvorak