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Es war ein unvergessliches musikalisches Erlebnis, als ich – zu meiner Schande muss ich es gestehen - am 08.02.2003 zum ersten Mal die Kammerakedemie Potsdam life –und noch dazu an solch einem wunderschoenen historischen Ort wie dem Schlosstheater von Sanssoucie in Potsdam erleben durfte. Hinzu kam mein grosses Privileg die sympathische Hochschullehrerin und begnadete Solistin des Abends, Frau Prof. Antje Weithaas, nach Ihrer mitreissenden Darbietung von Schubert`s Rondo A-Dur fuer Violine und Streichorchester, ganz persoenlich in absolut ungezwungener Athmosphaere sprechen zu duerfen.
Die Kammerakademie
Potsdam entstand 2001 durch den Zusammenschluss des Ensemble Oriol Berlin mit dem Perseus Ensemble. Das Persius Ensemble ist eines der wenigen Kammerensembles auf dem internationalen Musikmarkt, welche in einer gemischten Streicher- und Bläserbesetzung konzertieren. Das Hauptaugenmerk richten die neun Musiker aus Potsdam auf das klassische Nonettrepertoire, einer kompositorischen Spezialität, die ihren Anfang in den Werken des Umbruchs von der Klassik zur Romantik fand. Das Ensemble Oriol Berlin wirkte seit 1987 als Konzert- und Opernorchester in kammersinfonischer Besetzung mit 24 Mitgliedern. Es widmete sich besonders der Musik für Streicher. Seit Oktober 2002 hat die Kammerakademie Potsdam nun auch eine neue Künstlerische Leitung, den italienischen Weltklasse-Fagottisten Sergio Azzolini. Die Konzerte der Kammerakademie haben ein breites Spektrum: Große Sinfoniekonzerte im Nikolaisaal und "kleine" feine Kammerkonzerte im Nikolaisaalfoyer, Musik am historischen Ort (Kammerakademie in Sanssouci im Schlosstheater im Neuen Palais) und "Die Besondere Konzertreihe" mit Feiertagskonzerten, besonderen Solisten und experimentellen KlangwerkenAntje Weithaas
, 1966 geboren, gehört zu jenen Künstlern, die sich nach dem Zusammenbruch der DDR 1989 einen Namen in der westlichen Musikwelt gemacht haben. Schon im Alter von 5 Jahren erhielt sie ihren ersten Violinunterricht. Später studierte sie an der Hanns Eisler Hochschule für Musik in Berlin bei Professor Werner Scholz. Als Gewinnerin mehrerer Wettbewerbe erlangte sie ihren Durchbruch zur internationalen Karriere. Sie gastierte u.a. bei dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, dem Boston Symphony Orchestra Academy of St. Martin in the Fields, um nur einige wenige zu nennen. Seit Oktober 1999 hat Antje Weithaas eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin inne.Zur Auffuehrung gelangten, neben dem bereits erwaehnten vollendet vorgetragenem Rondo von Schubert, die Symphonie C-Dur von Joseph Martin Kraus (1756-1792), der als "schwedischer Mozart" zum bedeutendsten Komponisten der Zeit in seiner Wahlheimat aufstieg. Kraus stammte aus dem fränkischen Miltenberg und begann als Nachfahre der Mannheimer Schule. Er wurde Hofkapellmeister Gustavs III. in Stockholm. In seinen Symphonien sind Einflüsse Haydns, Glucks und Mozarts vereint. Auffallend ist die Dominanz der Molltonarten, der dunklen Stimmungen, die pathetische Grundhaltung, die Gluck viel verdankt, aber die m.M. nach auch durch seinen Wohnsitz im grosse Zeit des Jahres zugefrohrenen und duesteren Schweden. Doch die Bildungsreisen in die suedlichen europaeischen Laender, die ihm sein aufgeschlossener Souverain ermoeglichte, brachte ihn in zum Glueck in Kontakt mit andren, leichteren Musikstroemungen. So ist in den oft spielerischen Klaengen die Verwandtschaft und der Einfluss von Mozart klar ersichtlich. Am nachhaltigsten aber scheint jedoch der Einfluß Haydns zu sein. Stärkstes Werk ist wohl die c- moll-Symphonie. Wer in Sachen Klassiker kundig sein will, kommt nicht an Joseph Martin Kraus vorbei.
Zum Schluss erklang die A-Dur-KV 201 von Mozart. In seinen rund fünfzig Symphonien durchschreitet er einen weiten Weg: von der italienischen, quirligen, dreisätzigen Opernouverture zum viersätzigen Zyklus unter Hinzunahme des Menuetts nach Wiener Tradition; von einem Werk, das umrahmt, einleitet, zum Höhepunkt, Zentrum eines Konzertabends, von einem dekorativ-festlichen Moment zu einem wahrhaft elementar-bleibenden Ereignis. Mit der A-Dur-Symphonie, der Nr. 29 sind wir aber schon bereits auf dem Hoehepunkt seines Symphonieschaffens. Owohl fuer Mozartliebhaber alles genial ist, so schuf er doch mit KV 201 in A-Dur ein Meisterwerk: zwar von gelöster, Grundhaltung und feiner kammermusikalischer Struktur, mit einem leise beginnenden, dann leidenschaftlich werdenden dritten Satz, einem lyrischen ganz lieben zweiten Satz, dann wieder ein beinahe "gewalttätiges" "a la Chopin" im dritten. Der vierte Satz schliesslich besitzt m. M. nach die an Dramatik reichste Durchführung in Mozarts bisherigem symphonischen Oeuvre. Schon Zeitgenossen rühmten den "fabelhaften Sturm", die "Anmut seiner Schnelligkeit" und die "Plötzlichkeit der Kontrastempfindungen" dieses Abschnittes. Ein unvergesslicher Klanggenuss, der aber auch gekonnt und mit Liebe und Leidenschaft dem Zuhoerer vermittelt werden muss. Das geschah auch ueber alle Erwartungen excellent!
Abschliessend muss ich noch einmal zu dem begeisterten Spiel der Musiker Stellung nehmen. Es war die reinste Freude, wie sie sich mit Ohr-und Blickkontakt und wenig Einsaetzen des Kapellmeisters (es gab ja keinen Dirigenten) so perfekt aufeinander abstimmten, sich Toene zuwarfen und zurueckspielten –im wahrsten Sinne des Wortes
spielten --und es muss jeden halbwegs sensiblen Menschen mitreissen, wenn er sieht mit welcher Freude, welcher Mimik, welcher Koerpersprache die Kuenstler in der Musik aufgehen. Das trifft auch in ganz besonderem Masse auf die Solistin Antja Weithaas zu.