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Hans Neuenfels

Die Taube wurde freundlicherweise von dem bekannten Journalisten und Schriftsteller Franz Alt für uns fregegeben

Idomeneo

Wolfgang Amadeus Mozart

Dramma per musica in 3 Akten in italienischer Sprache
Libretto: Giambattista Varesco
Uraufführung: 29.Jjanuar 1781 in Müchen

Musikalische Leitung Lothar Zagrosek Inszenierung Hans Neuenfels Bühne, Kostüme Reinhard von der Thannen Chöre Ulrich Paetzholdt . Idomeneo Charles Workman Idamantes Francesca Provvisionato /
Ruxandra Donose [3.,7.,10.Mai 03] Elektra Krassimira Stoyanova /
Luba Orgonasova [3.,7.,10. Mai 03] Ilia Michaela Kaune Arbace Burkhard Ulrich Gran Sacerdote di Nettuno Volker Horn La Voce Harold Wilson

Quelle
Der Oper liegt das französische Drama "Idomene" von Antoine Danchet zugrunde (uraufgeführt 1712), das schon von André Campra vertont worden war, einem Meisterschüler von Jean-Baptiste Lully (1632-1687), dem bedeutenden französischen Barockkomponisten und eigentlichen Begründer der französischen Nationaloper.

Entstehung und Uraufführung
Im Herbst 1780 erhielt Mozart vom Münchner Kurfürsten Karl Theodor die Aufforderung, für den kommenden KarnevaI eine neue Oper zu komponieren. Er bestimmte mit dem Drama von Danchet zugleich auch selbst die Vorlage, und er beauftragte den Salzburger Hofkaplan Giambattista Varesco (1735-1805) als Librettisten. Die Uraufführung fand unter Mozarts Leitung am 29. Januar 1781 im Cuvilliés-Theater in München statt.

Ort und Zeit
Sidon, die Hauptstadt der Insel Kreta, in der Zeit nach dem Trojanischen Krieg (den die Geschichtsforschung um 1200 v. Chr. ansetzt).

Die Personen der Oper
Idomeneo, König von Kreta (Tenor) -
Idamante, sein Sohn (Tenor) -
Ilia, trojanische Prinzessin, Tochter des Priamus (Sopran) -
Elektra, Tochter des Agamemnon, Führers der Griechen vor Troja (Sopran) -
Arbace, Vertrauter des Königs (Bariton) -
Der Oberpriester Neptuns (Tenor) -
Die Stimme des Orakels (Baß)
Volk von Kreta, heimkehrende kretische Krieger, trojanische Kriegsgefangene, Priester und Priesterinnen (Chor

 

Idomeneo ist wohl eines der am seltensten gespielten Meisterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart. Erst seit den letzten Jahren rückt dieses Werk in das Interesse von Intendanten, Dirigenten und Regisseuren, und in das Blickfeld des breiten Opernpublikums. Beim breiten Publikum findet es aber trotz vieler Neuinszenierungen nicht den Zuspruch, wie etwa Don Giovanni oder Die Zauberflöte. Woran liegt das?
Meiner Meinung nach an der teilweise etwas umständlichen Handlungsführung und den langen und trockenen Rezitativpassagen. Eine Mozartoper stellt sich der "normale" Besucher halt anders vor: leichter lockerer und vor allem kürzer: ein ungekürzt aufgeführter Idomeneo kann durchaus drei, oder dreieinhalb Stunden (reine Spielzeit) dauern. Bei Neuenfels waren es knapp drei Stunden Spielzeit.


Idomeneo ist gattungstypologisch betrachtet eine Opera seria italienischer Tradition mit Einflüssen der französischen tragédie lyrique. Die französischen Einflüsse lassen sich dadurch erklären, dass Mozarts Oper eine tragédie lyrique von Antoine Danchet aus dem Jahre 1712 zugrunde liegt, die Varesco für Mozart ›lediglich‹ übersetzte und bearbeitet.

Zum besseren Verständnis möchte ich ganz kurz die französischen und italienischen Stilelemente de Oper vorstellen: die italienischen Merkmale dieser Oper ergeben sich aus der Gattungsbezeichnung: Opera seria. Daraus resultiert das damit verbundene dramaturgische Drei-Akte-Schema, die damit verbundene Rollenhierarchie der handelnden Personen, das Fortschreiten der Handlung durch den Wechsel von Rezitativ und Arie, die Charakterisierung der Figuren durch Arientypen. Idomeneo ist als Opera seria auch ein Spiegel des politischen Herrschaftssystems. Aus der französischen Operntradition entstammen die großen Chortableaux, die sehr signifikant für diese Oper sind, die spektakulären Massenszenen, und das in die Handlung integrierte Ballett.

Doch nun zur Premiere an der Deutschen Oper. Lothar Zagrosek, seit 1997 Generalmusikdirektor der Württembergischen Staatsoper Stuttgart, dem "Opernhaus des Jahres" 1998, 1999 und 2000, führte souverain den Taktstock, verlor, trotz aller Hervorhebung des Details nie den Überblick des Ganzen, was bei einem Werk dieser Länge schon beachtlich ist. Er ist ja auch ein Routinier: In der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Opernwelt" 1997 wurde Lothar Zagrosek zum "Dirigenten des Jahres" gewählt. Dieselbe Auszeichnung erhielt er auch 1999 für seine Arbeit an der Staatsoper Stuttgart. Dort dirigierte er aufsehenerregende Neuproduktionen, darunter die 1998 ebenfalls von der "Opernwelt" als "Aufführung des Jahres" ausgezeichnete Produktion von Die Entführung aus dem Serail. Mehrere seiner Aufnahmen haben bedeutende Preise wie den "Prix Reine Elisabeth" und den Deutschen Schallplattenpreis gewonnen oder wurden für den "Grammy" nominiert.

Die Inszenierung war, Gott-sei-Dank, ein "echter Neuenfels", mit den obligatorischen Buh- und Bravorufen. Trotz meiner liberalen Einstellung auch andere Meinungen gelten zu lassen, kann ich mir hier nicht verkneifen, die Buh-Rufer als Ignoranten, die die Botschaft von Neuenfels überhaupt nicht verstanden haben, zu brandmarken. Hans Neuenfels, geboren in Krefeld 1941,Studium Schauspiel und Regie in Essen und Wien hat bereits1964(!) seine erste Inszenierung am Theater am Naschmarkt in Wien realisiert. Er ist ja dafür bekannt klassischen Themen nicht nur ein modernes Gewand, sondern vor allem einen aktuellen Bezug zu geben. Dies gelang ihm brillant mit der Transformation des das Land verwüstenden Ungeheuers (s. Beschreibung unten) in die Grausamkeit des Menschen und seiner von ihm geschaffenen Auswüchse: der egoistischen Habgier, der Gewalt und des Krieges. Am einem der Vorabende eines leider wahrscheinlichen brutalen Überfalles mit unzählbaren Opfern (menschlichen und auch den an Kulturgütern) einer hochtechnisierten Macht, wie die USA es sind, auf ein im Gegensatz dazu gewissermaßen mit Steinschleudern bewaffnetes Land, wie es der Irak ist, um sich dessen Ölquellen zu bemächtigen, ein mutiges Unterfangen! Und auch auf Neuenfels’ geliebte Schrifttafeln muss man nicht lange warten: "Den verfluchten Töchtern und Söhnen von ihren verdammten Vätern", besagt die erste gleich zu Ilias Auftrittsarie, oder mit Sophokles "Ungeheuer ist viel, doch nichts ist ungeheurer als der Mensch".

Als Götter führte er neben Neptun Jesus, Mohammed und Buddha auf, deren Häupter der Kreterkönig zum Abschluß dem Publikum präsentiert. Die darauffolgenden Buhs zeigen den selbstgefälligen Unverstand der Rufer, sind wir es doch alle die der Religion den Kopf abgeschlagen haben, sind wir es doch alle, die Christus jeden Tag aufs Neue ans Kreuz nageln! Bis auf die Buh-Rufer natürlich! Die haben mit alledem nichts zu tun. Die sind ja für nichts, was in der Welt passiert, verantwortlich. Ohne unsere jahrzehntelange Gleichgültigkeit den anderen gegenüber der Ausbeutung der sog. "Dritten Welt", der Zerstörung unserer Umwelt um des Profites Willen (Beachte das Nein der USA zum Tokyo-Abkommen!) und ausschließlicher Bedachtheit auf den eigenen Profit wären wir (und auch die anderen Nationen) nie in ein solches Abhängigkeitsverhältnis zu den USA gelangt, was den geplanten und nun anstehenden frechen Überfall und die absurde Diskussion darüber einen Angriffskrieg zu führen überhaupt erst ermöglicht. Vor allem aber ist es das falsch verstandene, heuchlerisch praktiziertes Christentum, das dieser unseligen Entwicklung Schützenhilfe gab und noch gibt. Daher richtig die Anklage von Neuenfels: Wir alle haben die Religion der Liebe, vor allem der Nächsten- und Feindselige selber getötet. Da ist mir ein aufrechter Atheist schon lieber, der wirklich das Wohl seiner Genossen im Auge hat. Doch zwischen diesem und einem aufrechten Christen ist der Übergang fließend... So bleibt der Mensch aber alleine gelassen, auf seine eigenen Gefühle von Gerechtigkeit und Liebe, die Idomeneo dann den Sohn auch verschonen läßt. So ist zum Abschluß auch das irre Lachen des Neuenfels-Idomeneo zu verstehen , auf die Häupter der großen Religionsstifter blickend, was so viel heißen mag: "Was habt Ihr denn schon erreicht! Wir Menschen sind einfach zu dumm und unreif, um Eure Botschaft zu verstehen. Und so sind wir wieder auf uns alleine gestellt, als ob ihr nie gekommen wäret." Oder liegt in dieser Erkenntnis doch ein Hoffnungsschimmer, ein Neuanfang, eine Neuorientierung der Menschheit --- zumindest wäre das ein schöner Traum, mit dem ich die Oper für mich enden lassen möchte...

Reinhard von der Thannen spielt wie ein grosser Junge, aber halt gekonnter, mit den Kostümen: erst läßt er alle Figuren am kretischen Hofe in überkandidelt bunten barocken Kostümen tanzen, dann später in schwarzen Gewänder und sogar Perücken! Die beiden durch die Szene springenden Faune als Gehilfen des Poseidon sind so ganz nach Neuenfels und vermitteln auch wieder eine Botschaft: ohne Gehilfen in unserer eigenen Welt könnte das an sich nicht eigentlich Böse aber eben für uns Schlechte einer anderen Welt hier gar nicht Fuß fassen.

Charles Workman ist der bravouröse Sänger der Titelpartie. Er war einer der wenigen so deutlich pronunzierenden Sänger, vorausgesetzt man kann italienisch, daß die Oper auch ohne Opernführer verständlich wäre. Darüber aber nicht zu vergessen seine prächtige Stimme! Charles Workman hat sich seit 1995 nach seinen Debüts als Agorante in Rossinis Ricciardo e Zoraide und als Don Ferrando in Cosí fan tutte den Ruf eines der führenden Sänger nicht nur für das französische Repertoire sowie für die Opernwerke Rossini, sondern vor allem für das Mozart-Repertoire erworben. Er ist vor allem mit Rossini- und Mozart-Partien zu Gast an den führenden Häusern der Welt, u.a. am Teatro La Fenice in Venedig, am Teatro San Carlo in Neapel, an der New York City Opera, der Opéra de Lyon, dem Théatre des Champs-Elysées de Paris, am Teatro alla Scala Mailand, am Teatro Reál Madrid. Seine Stimme ist folgerichtig auch auf zahlreichen Schallplattenaufnahmen zu hören

Der Sohn des Idomeneo, Idamante, wurde repräsentiert von der talentierten jungen Mezzosopranistin Francesca Provvisionato. .. In Treviso debütierte sie 1991 auf der Opernbühne als Cherubino in Die Hochzeit des Figaro unter Peter Maag nach ihrem Erfolg beim »Toti dal Monte«-Gesangswettbewerb (Erster Preis) im Jahr zuvor. Sie ist bereits an den bedeutendsten Opernhäusern in Italien und im Ausland aufgetreten, wie der Mailänder Scala, den Stadttheatern von Bologna und Florenz, der Arena di Verona, der Arena Sferisterio di Macerata, dem Teatro dell'Opera di Roma, dem Teatro di San Carlo in Neapel, dem Teatro Massimo Bellini di Catania, der Bayerischen Staatsoper München, den Opernhäusern in Zürich (u.a. Der Barbier von Sevilla), Lausanne, Frankfurt, Montpellier und Lyon (Die Hochzeit des Figaro unter Paolo Olmi, davon ist eine Videoaufzeichnung im Handel), sowie der Staatsoper Unter den Linden Berlin Über zwanzig Opernpartien hat sie gesungen und ein breites Konzertrepertoire vom Barock (Monteverdi, Vivaldi, Händel) bis zur Musik des 20. Jahrhunderts (Stravinsky, Debussy, Ravel) mit Schwerpunkt auf »Belcanto«partien wie Mozarts Sesto, Dorabella , Zerlina, Cherubino und Rossinis Rosina, Cenerentola

Die Hamburgerin Michaela Kaune, die Ilia, studierte an der Hochschule ihrer Heimatstadt. Sie war u.a. Preisträgerin beim Wiener Belvedere-Gesangswettbewerb und wurde 1999 mit dem Otto-Kasten-Preis des Deutschen Bühnenvereins ausgezeichnet. Seit 1997 singt Michaela Kaune hier als Mitglied des Ensembles zentrale Rollen ihres Repertoires wie Micaela, Pamina, Margarethe/Faust, Donna Elvira, Gräfin Almaviva / Die Hochzeit des Figaro, Anna in Marschners Hans Heiling, Gretel sowie Euridice in Orpheus und Euridice. Sie brillierte durch stimmliche und schauspielerische Exzellenz-

Arbace war der Aachener Tenor Burkhard Ulrich der neben den Fächern Klavier und Orgel Gesangs- und Instrumentalpädagogik an der Hochschule Köln studierte. 1996-1998 hatte er sein erstes Engagement am Stadttheater Koblenz, 1998-2001 war er Ensemblemitglied der Bühnen Kiel, von wo ihn Generalintendant Prof. Udo Zimmermann an die Deutsche Oper Berlin holte. Hier ist Burkhard Ulrich als Monostatos (Die Zauberflöte), 1. Offizier in Henzes Der Prinz von Homburg, Goro (Madame Butterfly), Don Basilio (Die Hochzeit des Figaro), 1. Gralsritter (Parsifal), Borsa (Rigoletto) und Gastone (La Traviata) aufgetreten.Gastengagements führten ihn an das Aalto Theater in Essen, die Deutsche Oper am Rhein, das Schillertheater Gelsenkirchen sowie zu den Ettlinger Schlossfestspielen.Zahlreiche Konzertauftritte absolvierte er im In- und Ausland und wirkte bei verschiedenen CD-Einspielungen mit. Auszeichnungen: 1984 »Jugend musiziert« – Landespreisträger für Orgel, 1985 Bundespreisträger eines Wettbewerbes des Berliner Kultursenats als Jazzpianist.

Idemeneo ist das Drama um einen König, der zwischen Kindesliebe und Königswort hin- u. hergerissen ist. Sein Vertrauter ist Arbace.

1.Akt

Auf Kreta erwartet man die Rückkehr Idomeneos. Als die bevorstehende Rückkehr des Königs gemeldet wird, verleiht sein Sohn Idamante allen trojanischen Gefangenen die Freiheit, auch Ilia, der Tochter des Königs Priamos, die Idamante unausgesprochen liebt. Das erweckt allerdings die Eifersucht von Elektra, die nach der Ermordung Klytemnästras durch Orest auf Kreta Zuflucht gefunden hat. Doch da erhebt sich ein Sturm. Idomeneos Schiff gerät in Seenot. Idomeneo schafft es trotzdem an Land. Als Dank für die Rettung gelobt er, den ersten Menschen, der ihm begegnet, dem Meeresgott Poseidon zu opfern. Da kommt ihm sein eigener Sohn entgegen.

2.Akt

Idomeneo überlegt, wie er dieses Opfer verhindern könnte. Er möchte Idamante mit Elektra nach Argos schicken, weil er dort vor Poseidons Zorn sicher sei. Elektra jubelt, scheint sie doch über ihre Nebenbuhlerin Ilia gesiegt zu haben. Doch das Schiff, das die beiden ans Festland bringen soll, kann nicht auslaufen. Es versinkt. Dem Meer entsteigt ein Ungeheuer und Idomeneo bietet sich Poseidon an seines Sohnes Stelle als Opfer an.

3.Akt
Idamante will Kreta nicht verlassen. Ilia bekennt ihre Liebe. Gegenseitige Zuneigung. Dann bricht Idamante auf, um mit dem Ungeheuer zu kämpfen. Inzwischen entlocken die Priester dem König den Namen des Opfers, das Poseidon fordert. Der König bekennt, daß sein Sohn geopfert werden muss. Alles wird zum Opfer bereitet. Idamante, der das Ungeheuer besiegt hat, wird zur Opferstätte geführt. Ilia erklärt sich bereit, für Idamante zu sterben. Da läßt Poseidon verkünden, das er auf das Opfer verzichte. Idamante soll der neue König sein und Ilia seine Frau. Elektra verfällt in Raserei, der neue König wird gekrönt.