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Iphigenie auf Tauris

Regie Thomas Langhoff
Bühne und Kostüme Peter Schubert
Musik Hermann Naehring
mit Ulrike Krumbiegel; Klaus Manchen, Joachim Meyerhoff, Tilo Nest, Siegfried Terpoorten
Aufführung vom 17. März 2003
Premiere am 22. Februar 02 im Maxim Gorki Theater
Vorab: es war eine überragende schauspielerische und auch inszenatorische Leistung! Trotz des klassischen Goehte-Textes, der natürlich wie vielfach nicht deklamiert, sondern lebendig gesprochen wurde- mit Zunge und Körper! Es war aber für mich persönlich auch ein besonders emotional bewegendes Erlebnis. An einem wahrscheinlich der letzten Abende vor einem großen Krieg und habgierigem, international nicht legitimierten Überfall der USA auf den Irak, erfüllte mich, trotz des Bewußtseins der Trauer und des Zornes der vergeblichen Friedensaufrufe (auch meinerseits) und dem Gefühl der Hilflosigkeit der Gewalt gegenüber, ein gewisser Stolz zu "dem alten Europa" zu gehören. Dies hat zwar, sogar alle Staaten zusammengenommen, keine militärische Macht aber jedoch eine fast in Vergessenheit geratene moralische Größe und Stärke. Wie wahr die fast seherischen Worte Goethes über die Tränen der Frauen über die im Krieg Gefallenen. Wir sehen aber auch, daß es heute nicht nur die Frauen sind, die da zum stummen Leiden verurteilt sind, sondern wir alle, wenn wir zusehen müssen wie andere Menschen, unsere Brüder, kaltblütig geplant und zynisch angekündigt ermordet werden sollen....Demgegenüber können und sollen wir auch nicht mit Gewalt sondern mit moralischer Kraft und Größe entgegentreten. Wenn wir den "Barbaren" vielleicht jetzt nicht umstimmen können, wie es Iphigenie gelungen ist, so vielleicht später. In Sachen Humanität darf es niemals ein Aufgeben geben lautet eine wichtige Botschaft des Stückes. Man muß stets bereit sein immer wieder aufs neue dafür zu kämpfen, wie Iphigenie. Vor allem müssen wir erkennen, daß List und Heimtücke nicht der Rechte Weg sind sondern: nur Aufrichtigkeit und Wahrheit!
Das Stück selber bietet unter diesem Gesichtswinkel betrachtet ungeahnte neue Aspekte. Es überschreitet die Grenze der reinen Theorie zur Wirklichkeit .Mit dazu beigetragen haben natürlich die kraftvolle schauspielerische Darstellung, bis hin zu den letzten Feinheiten, als Thoas seine Hand betrachtet, die er Iphigenie zum "Leb Wohl" gereicht hat, als ob er ahnt mit dieser mutigen humanitären Handlung sein eigenes Königreich aufs Spiel gesetzt zu haben. Solche Haltungen und Gesten findet Thomas Langhoff in seiner Inszenierung von Goethes "Iphigenie auf Tauris" zuhauf für seine Schauspieler wie z. B.das Heiligtum das der Iphigenie zur allzu vertrauten Gefängniszelle geworden ist, die sie mit geschlossenen Augen es durchschreitendet und wo sie auch an den Wänden die verbrachten Tage mit Strichen markiert.
Inhalt der Tragödie
Während der dramatische Aufbau bei Euripides von rein äußerlichen Konflikten ,vom göttlichen Eingreifen und von einer vorausgesetzten Überlegenheit der Griechen gegenüber den "Barbaren" bestimmt wurde (wobei Iphigenie den griechischen Männern rachsüchtig und listig zur Seite stand!), und humanisiert Goethe die Dramenhandlung. Humanisierung ist die Sache Iphigenies: Als Priesterin im Tempel der Diana hat sie Thoas von den barbarischen Menschenopfern abgebracht, und das mit Gesprächen – ganz gegen die mythisch- oder heroisch-archaischen bzw. listigen Handlungskonzepte der griechischen Männer. Durch Überzeugung und die Macht der vernünftigen Rede führt Iphigenie einen glücklichen Handlungsausgang herbei. Die Durchsetzung von Humanität und Zivilisation sind also das Zentrum der Dramenhandlung.
Goethe sucht in seinem Stück nach Ganzheitlichkeit, begrifflicher Genauigkeit und dramatischer Ausdruckskraft. Wichtig ist ihm die Heilung des Menschen von der Raserei, dem Wahnsinn personifiziert in Orest, der durch die Liebe der Schwester geheilt wird.
Schauspielausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin. Bis zur Spielzeit 2000/2001 langjähriges Ensemblemitglied des Deutschen Theaters Berlin. Während der laufenden Spielzeit zu sehen in: Iphigenie auf Tauris,
eine schauspielerische Meisterleistung, die man sich nicht entgehen lassen darf!
Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule München. Engagements u.a. am Theater Dortmund, an den Bühnen der Stadt Köln und am Schauspielhaus Hamburg. Daneben Tätigkeit als Regisseur. Während der aktuellen Spielzeit zu sehen in: Moskau – Petuschki (Solo in eigener Regie), Iphigenie auf
Tauris (ebenfalls grandios gespielt und schon um seiner Person sehenswert!) und Republik Vineta. Darüber hinaus läuft im aktuellen Spielplan seine Regiearbeit Sauna - Eine Hommage.
Thomas Langhoff
geb. 8.4.1938 (Zürich)
Schauspieler, Regisseur, Intendant
Seit 1948 auf Berliner Bühnen, aber auch bei Film und Fernsehen
Er war 10 Jahre Intendant des Deutschen Theaters Berlin