Viele Musikfreunde halten die Zauberflöte für das letzte Werk
Mozarts. Sie wurde aber nur zuletzt vollendet. Der Auftrag für das
"Requiem" und eben die "Clemenza" unterbrachen die Arbeit
an der Zauberflöte. So ist eigentlich die "Clemenza" das letzte
große Werk Mozarts. Als Auftragswerk anläßlich der
Krönung von Leopold II sollten natürlich die guten Eigenschaften des
Souverains dargestellt werden. Diese hatte Leopold unbestritten, der auch
Großherzog der Toskana war und weswegen die Aufführung hier in
Florenz besonders passend ist.

Es wird hier in dem von Mazzola überarbeiteten Libretto Metastasios eine
für die heutige Zeit etwas sehr übertriebene Form der Darstellung des
Edelmutes von Titus gewählt, aber es sollte ja eine Eloge auf Leopold II
sein. Die wundervolle Musik von Mozart, die zwar perfekt dazu paßt, kann
aber und wurde auch mit einem anderen Libretto kombiniert: 1824 mit Heigels
König Garibald. Wenn wir ehrlich sind, so ist doch das wesentliche die
Musik --- und diese ist zeitlos schön und nicht unbedingt an eine ganz
spezifische Handlung gekoppelt, obwohl wir natürlich, wenn wir sie
wiederhören, vor unserem geistigen Auge die
gesehene
Oper wieder auflebt...
Der Inhalt der Oper ist eigentlich schnell erzählt. Es ist eine etwas
gekünstelt erscheinende Intrige, die aber auch das Leben manchmal so
schreibt:
Vitellia, die Tochter des ehemaligen Kaisers sinnt auf Rache für den Tod
ihres Vaters für den sie Titus verantwortlich macht, den sie
unglücklicherweise auch noch liebt und da er eine andere Frau zu ehelichen
gedenkt, rasend vor Eifersucht ist. Aus diesem Grunde bringt sie Sextus,
eigentlich einen treuen Freund von Titus dazu, in einem Mordkomplott gegen den
Kaiser eine tragende Rolle zu spielen. Dies kann ihr natürlich nur
gelingen, wenn sie einen Trumpf dafür in der Hand hat: Sextus ist ihr
hörig und glaubt die angedrohte Abwendung von ihm im Falle des nicht
Einwilligens in den Komplott nicht ertragen zu können. Titus gibt jedoch
seine Auserkorene frei, als diese ihm offenbart einen anderen zu lieben und
will nun Vitellia heiraten. Doch zu spät, die Verschwörung ist schon
im Gange.
Aber Titus überlebt und die Schuld von Sextus kommt bald ans
Tageslicht. Er ist eigentlich gezwungen aus Staatsräson und da der Senat
ihm die Entscheidung eigentlich schon vorgegeben hat, das Todesurteil von
Sextus zu unterschreiben. Aber er vermag es nicht. Obwohl Sextus auf Befragen
die Urheberin des Übels, Vitellia, nicht verrät, gesteht diese, von
Skrupeln überwältigt, öffentlich ihre Schuld. Titus aber vergibt
auch ihr in seinem Edelmut ihre Schuld. Er wiederholt und bekräftigt
seine schon in einer vorhergehenden Arie ("Se allŽimpero, amici Dei,
Necessario è un cor severo, O tagliate am me lŽimpero, O a me date un
altro cor. sinngemäß"..nehmt mir das Reich oder gebt mir ein
anderes Herz!") bekundete Einstellung in der das Werk krönenden und
auch hier im "maggio" glanzvollen Schlußsextett mit Chor:
"Troncate, eterni dei, Troncate i giorni mei, Quel die che il ben di Roma
Mia cura non sara" sinngemäß: "streicht die Tage meines
Lebens, o ewige Götter, an denen ich nicht an das Wohl Roms denke").
Zu hören war hier im "maggio" als Titus ein international
bekannter Name: ein grandioser Ramon Vargas und weniger bekannt aber dennoch
ein absoluter Ohrenschmaus: Monica Bacelli als Sextus und natürlich der
excellente Chor und das Orchester des "maggiofiorentino" unter der
gekonnten Leitung von Ivor Bolton. All das wurde in interessanter
klssisch-moderner Inszenierung von Federico Tiezzi dargeboten. Ein wahrhaft
gelungener Abend!
