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Süßer die Glocken

Süßer die Glocken

Komödie von Stefan Vögel

(Star!)-Besetzung:

Chariklia Baxevanos als Ida Peer Schmidt als Jakob Gerit Kling als Edith Christoph Schobesberger als Herbert Philipp Sonntag als Eugen Dorothea Böttcher als Christine Konstanze Proebster als Trudi

Regie: Folke Braband

Uraufführung: 12. Dezember 2003 letzte Vorstellung: 29. Februar 2004

Mit dieser am 12.12.03 gestarteten Aufführung haben Martin & Jürgen Woelffer

oder unter den Eingeweihten als die "Wölffer-Bühnen" wieder einmal mehr bewiesen – wie schon nur allzuoft in der Vergangenheit—daß man sie gar nicht mehr ungestraft "Boulevardtheater" nennen darf.

Boulevardtheater wird nämlich allgemein als Bezeichnung für Theater deren Repertoire aus leichten Unterhaltungsstücken (Boulevardstücke) bestehen. Dies geht auf die ursprünglich die um die Jahrhundertwende an den Pariser Boulevards mit derartigem Repertoire entstandenen Privattheater zurück. Auch der Blick in ein Lexikon gibt nur folgendes frei: Bou|le|vard|thea|ter, Bou|le|vard|the|a|ter <[bulə'va:r-] n. 13; Theat.> kleines Theater (urspr. an den Boulevards in Paris) für leichte Unterhaltungsstücke aus dem Leben der Gesellschaft.

Und das sind die meisten der gespielten Stücke nicht. Gewiß, sie bieten nicht die Schwere und Dramatik z.B. eines Maxim-Gorki-Theaters. Wollen und sollen sie ja auch nicht. Es ist aber keineswegs alberner Firlefanz, was da geboten wird. Vielmehr kommt man einem klassischen Theater- und auch Kunstverständnis wieder nahe, daß der allgemein üblichen Taktik des Erschrecken, Erschüttern, ja Provozieren des Publikums, diametral entgegengesetzt ist! Es soll einem mit leichtem Augenzwinkern der Spiegel vorgehalten werden. Man soll lachen können, denn das ist Balsam für die Seele. Wenn man dann beim Lachen erkennt, daß man eigentlich über sich selber lacht, wird man ein wenig nachdenklich, bleibt aber doch froher Stimmung. Man ändert aber vielleicht das eine oder andere eigene Verhalten. Damit wäre der Zweck voll erreicht. Kein Verfremdungseffekt nötig, keine Kraftausdrücke, kein Ekel, kein Unverständnis.....nicht die berühmte Reich-Ranicki-Frage: "Was will uns der Auto damit sagen?" Wir müssen nicht nachgrübeln, warum die Bühne schief ist und einer Autowerkstatt mit U-Boottüren ähnelt und mit gräßlichen Farben beschmiert wurde und auch nicht, warum wir zusehen müssen, wie Schauspieler in die Ecken urinieren...

Die Bühnenbildgestaltung ist hier allzeit gefällig, es könnte bei uns selber zu Hause sein. Und in den Wölffer-Theatern fühlt man sich zu Hause.

Über das Stück selber sollte man nicht zu viel schreiben, um nicht die Pointen zu verraten. Aber es ist genauso schwer zu beschreiben wie manche dieser wundervollen französischen Filme Le Château de ma mère von und mit Yves Robert nach einer Novelle von Marcel Pagnol. Es passiert eigentlich nichts, der Alltag einer Familie wird beschrieben, hier zu Weihnachten. Mit allen Nöten und Sorgen, die man an solchen Festtagen eigentlich gerne verborgen gelassen haben würde. Aber gerade in dieser besonderen Situation kommt alles, aber auch alles ans Tageslicht und es wird zunächst ein absolut chaotisches Weihnachtsfest. Aber gerade durch diese Katharsis im besten aristotelischen Sinne, der Reinigung, der Erneuerung der Gemüter der Darsteller und auch der Zuschauer durch das erweckte Mitgefühl (sogar ich hab schon verschämt ein Tränlein weggewischt). Man identifiziert sich mit dieser lieben chaotischen Familie und entdeckt ungeahnte Parallelen zu sich selber und zu Freunden und Verwandten. Das ist nicht Boulevard—das ist schon fast "großes" Theater!

Und dann die Darsteller!!! Der unübertroffene Peer Schmidt, seit der Verfilmung von Steinbecks "Von Menschen und Mäusen" einer meiner Lieblingsdarsteller. Warum, weil ich dem Peer alles glaube, was er spielt. Vielleicht ist er nicht nur ein großer Darsteller, vielleicht hat er es zudem auch noch besonders leicht. Diese tiefe Herzenswärme und Menschlichkeit unter einer rauhen Haut, kommt so tief von Innen heraus, daß ich glaube : das ist Peer Schmidt!. An den Woelffer-Bühnen sahen wir ihn schon in "Barfuss im Park", "Ein seltsames Paar", "Drei Mann auf einem Pferd", und "Das verflixte 7. Jahr. Unmöglich aufzuzählen, was er sonst alles gemacht hat. Viele kennen seine Stimme auch aus Lesungen oder als Synchronsprecher...

Charikla Baxevanos, ebenfalls eine Film- und Theaterlegende, kennen wir aus Filmen wie "Scherben bringen Glück", "Ein Stück vom Himmel" ,"Eva küsst nur Direktoren und "Das Ungeheuer von London. Unaufzählbar ebenfalls Ihre Theaterauftritte und haben Sie schon mal einen Film mit Shirley MacLaine auf deutsch "gehört"? Das war Charikla Baxevanos. Alle kennen wir auch die unglückliche Verbindung mir Horst Frank und ihre über ein Jahrzehnt währende Partnerschaft mit dem nicht immer einfachen Harald Juhnke... Charikla spielte so überzeugend die Ida, daß man seine eigene Mutter oder Großmutter zu sehen glaubt.

 

Christoph Schobesberger, geb. 1954 in Salzburg, 1964 bis 1968 Wiener Sängerknabe.

1972 Musikstudium (Gesang) am Mozarteum Salzburg und an der Hochschule für Musik, Wien. 1977 bis 1980 Schauspielausbildung. am Max Reinhardt Seminar, Wien.Schobesberger erhielt seine Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar und an der Musikhochschule Wien. Er wirkt seither in zahlreichen Spiel- und Fernsehfilmen mit, unter anderem in "Für alle Fälle Stefanie" (in der Rolle des Dr. Stein), "Liebling Kreuzberg" und demnächst auch als Sänger in de Frank Sinatra Christmas Gala 14. Dezember, 20 Uhr Kammermusiksaal/Philharmonie zu bewundern. Bewundernswert, wie er den Vater der Christine spielt.

Gerit Kling als Edith sowie Konstanze Proebster als Trudi und Philipp Sonntag als Eugen, runden als bekannte routinierte Schauspieler den Familienkreis ab. Bei allen sitz jedes Wort, paßt jede Handbewegung!

 

Das Häschen Dorothea Böttcher hat sicher noch eine große Karriere vor sich. Schon vor Beendigung Ihrer Schauspielschule wirkte sie in einer Fersehserie "Herzschlag" mit und steht jetzt, nach abgeschlossener Ausbildung, man glaube es oder nicht, das erste Mal auf einer "richtigen" Bühne. Und sie macht das ganz souverain.

Folke Braband, Regisseur ist bekannt aus Ladies Night an der Tribüne. Er erhielt dafür den Preis des Berliner Theatergemeinde für das beliebteste Stück der Saison 2001. Er bekam drei Nominierungen für den Preis der Berliner Morgenpost. Man kann ihn fast als den Hausregisseur der Woelffer-Bühnen bezeichnen. Er leitete dort:: Frankie und Johnny, Frohe Feste (mit Markus Majowski) Biloxi Blues (mit Rene Heinersdorff, Markus Majowski) Doppelfehler (mit Anita Kupsch und Volker Brandt) - Ping Pong (mit Ursela Monn) – Wochenendkomödie (mit Peer Schiff, Barbara Schöne) - Eine Ehe nach Maß (mit Edith Hancke, Klaus Sonnenschein) - Taxi, Taxi (mit Adisat Semenitsch, Tomasso Cacciapuoti, " Schöne Familie"" (mit Brigitte Mira, Brigitte Grothum)

Bleibt nur noch etwas zum Vater des Stückes zu sagen, der sich mit beachtlichem Mut traut, auch Dinge zu sagen, die wir meisten denken, aber nicht sagen... Finden Sie selber heraus, was ich meine...Es ist vielleicht bei jedem etwas anderes – so facettenreich ist das Stück geschrieben...Aber eines ist sicher: es sind nicht nur hohle Worte, sondern dem Leben ---uns allen —abgeschaut!

Stefan Vögel wurde 1969 in Bludenz geboren und wuchs in Gurtis auf, in den Vorarlberger Alpen. Studium der Wirtschaftsinformatik an der Universität Zürich bald ganz dem Theatermensch. Seit 1993 als freischaffender Autor und Schauspieler tätig. Er lebt in Feldkirch/Vorarlberg, Wien und Barcelona. Erste Erfolge feierte Stefan Vögel mit seinem Mundart-Kabarett Grüß Gott in Vorarlberg. Seine erste Bühnenkomödie Eine gute Partie wurde in Stuttgart, Wien, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Bregenz inszeniert. Seither sind drei weitere Theaterstücke entstanden: Global Player (2002), Süßer die Glocken (2002) sowie Die süßesten Früchte (2003).