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Rezension "Good life

Rezension "Good life. Ein Marketingroman" von Malte Wilkes

Campus Verlag Frankfurt/ New York 2002. 349 S., gebunden € 25,50 ISBN 3-593-36812-9

 

Mit Marketing habe ich mich, wie die meisten, die nicht beruflich damit zu tun haben, bisher kaum beschäftigt. Dabei unterliegt ihm doch unser gesamtes Leben, privat, beruflich und auch die Politik ist ohne die "Vermarktung" der Ideen der einzelnen Parteien nicht mehr denkbar. Wir merken es meist gar nicht, warum wir Ja" zu diesem oder jenem Produkt gesagt haben --- in der Politik meist leider nur viel zu spät, warum wir einem Politiker geglaubt haben. Um so mehr sollte man sich mit den Techniken und Tricks der Spezialisten" befassen. Aber wer kann schon als "Normalbürger" die sicherlich inhaltlichen hochwertigen Standardwerke der Marketingindustrie durchlesen. Schon nach zwei Seiten ist man durch den absolut wasseraufsaugenden Stoff bis zur letzten Körperzelle ausgetrocknet. Auch ein gutes Jurabuch mit sicher interessanten Auslegungsbeispielen der einzelnen Paragraphen der Gesetzbücher kann interessant sein --- aber nur für Juristen...

Malte Wilkes gelang es aber die trockenen Theorien des Marketing in eine packende Story einzukleiden. Um nicht die Spannung zu nehmen nur so viel davon: die Hauptperson, Joe Pass, angestellt bei einer renommierten Marketingorganisation sichert sich während eines Seminars, daß er eigentlich unwillig für einen viel jüngeren erkrankten Mitarbeiter der Firma abhält, einen lukrativen Auftrag eines alteingesessenen aber kleinen Pharmaunternehmens. Schon dabei werden wir zu interessierten Beobachtern, wie so ein Seminar in der Regel von einem alten Hasen aufgebaut wird und lernen die Gesetzmäßigkeiten kennen. Der Auftrag ist absolut hochkarätig weil es ganz leicht ist für das zu vermarktende Produkt eine USP (mein erster so nebenbei hier "gelernter" Marketingbegriff, mit dem ich schon vielerorts glänzen konnte) zu finden, eine "unique selling proposition", ein einzigartiges Verkaufsversprechen, was die Konkurrenz nicht haben kann: eine aus mehren tropischen Pflanzen gewonnenne Substanz, eigentlich ein frei verkäufliches Naturheilmittel, ist im Ausland zur Stärkung des Immunsystems z. B. bei Krebs als Medikament zugelassen und die Zulassung in Deutschland steht kurz bevor. Das bedeutet, es kann auch auf Rezept verschrieben werden --- zumindest zu dem Zeitpunkt, wo das Buch geschrieben wurde, jetzt sieht das alles wieder ganz anders aus in unserem Gesundheitswesen ... Dabei lernen wir auch weitere Fachausdrücke wie im Spiel kennen und haben Einblick in die legalen und unlegalen, aber wirkungsvollen Tricks der Branche. Wir sehen auch, wie so etwas auch bei finanzschwachen Firmen über ausländische Geldgeber und/oder Tochterfirmen finanziert werden kann und, und, und... Aber die Sache hat noch einen gewaltigen Haken: Neben der erwähnten Pharmafirma, darf auch noch eine andere, diesmal aber finanzstarke mit skrupellosem Geschäftsführer bestückte Pharmafirma das Präparat parallel in Deutschland einführen. Der Chef dieser Firma ist zudem noch ein alter zum Feind gewordener Bekannter des Protagonisten .... Es wird ein heißer Kampf mit Schlägen teilweise tief unter der Gürtellinie ... Spannend zu lesen, absolut zu empfehlen!

gez. Dr. Franz-Udo Piechotta-Flemming

Journalist (dju & IFJ) und FA für Allgemeinmedizin

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