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Einleitung:

In den Musikbesprechungen werde ich in der Regel nicht an fachkundige Klassikhoerer das Wort
richten, sondern in der Mehrzahl an diejenigen, welche ich im Rahmen des Angebotes
„Biotheater" auch zu einem der maechtigsten Manipulatoren der menschlichen Psyche und damit
auch des Wohlbefindens und der Gesundheit, hinfuehren moechte: der Musik. Hierunter verstehe
ich aber „richtige" Musik und keine kurzen eingaengigen Melodiechen, seien es nun moderne oder
„first class" klassische... Ich bitte daher geschultere Leser um Nachsicht, wenn ich nicht nur
Spitzfindigkeiten und Unbekanntes bringe, wie es normalerweise in der einschlaegigen Presse zu
finden ist, sondern fuer Musikliebhaber manchmal ganz banale Tatsachen... Zur
allgemeinen Information und auch teils Begriffserklaerung empfehle ich folgenden link:
http://www.klassika.info/index.html Ich betone ausdruecklich, dass ich hier keine Werbung
fuer irgendeinen onlineshop, der fast an alle diese und aehnliche Seiten angeschlossen ist oder
diese haeufig sogar erstellt hat, Werbung machen will. Dort ist alles nur schoen buendig. Anstelle
sich eine CD zu bestellen, rate ich lieber zu einem Konzertbesuch, z. B. im Kammermusiksaal der
Philharmonie Berlin ?!

Das deutsche Kammerorchester (Berlin)

Joseph Haydn (1732-1809) war ein genialer und sehr schoepferischer Musiker. Allein an
Symphonien hat er 108(!) geschrieben. (Hier eine schoen knappe Zusammenstellung aller Werke
von ihm:
http://www.klassika.info/Komponisten/Haydn/index.html Viele kennen die „mir
dem Paukenschlag". Auch in der Symph. Nr. 60 sieht man wieder die durch ueberstroemende
Lebensfreude sich aeussernde Scherzhaftigkeit des Komponisten. Kurz vor dem Schluss
unterbricht der Dirigent die spielenden Musiker und fordert sie auf, ihre Instrumente neu zu
stimmen. Einfach Schabernack! Sie sehen auch das ist klassische Musik!

Ganz wesentlich zum Gelingen des Abends am 1.12. 2002, trug natuerlich der Dirigent, Vladimir
Jurowski
, bei. Er ging so in der Musik auf und aktivierte seine Musiker durch ein wahres
Schauspiel von Mimik und Koerpersprache; das alleine zu sehen schon den Eintritt wert war.
Wenn ich eben schrieb natuerlich, so muss man sich bewusst machen, dass dies leider allzu oft
nicht natuerlich ist. Ich habe zu haeufig miterleben und -erleiden muessen, wie z.B. ein so
dynamisches Werk wie Beethoven´s 5. Symphonie zu einer zaehfluessigen Pampe zerkocht bzw.
zerdirigiert wurde... Aber Jurowski! Jurowski sorgte nicht nur dafuer das die eingaengie
Musik von Haydn nicht den typischen Haydn-Einschlafton bekam, wie man es von inderwertigen
Produktionen leider kennt. Nein Jurowski brachte die gesamte im Werk vorhandene Energie an den
Tag und verlieh ihm noch zusaetzlich Feuer und Temperament! Ein wahrer Ohren (und Augen!)-
Schmaus!


Dimitri Schostakowitch (1906-1975)
http://www.klassika.info/Komponisten/Schostakowitsch/indes.html
ist nun ein moderner
Komponist. Auch er war ungemein kreativ. (allerdings wird er mit seinen „nur" 15 Symphonien
kaum die Messlatte von Haydn ueberspringen). An diesem Abend erklang ein schoenes und auch
fuer Musikneulinge angenehm anzuhoerendes Konzert fuer Klavier, Trompete und
Streichorchester. Vor allem hoerens- und sehenswert (bei Pianisten schaut man halt gerne auf die
Finger!) der blutjunge, hochbegabte Berliner Pianist
Martin Helmchen (geb, 1982). Auch der
1972 in Berlin geborene Trompeter
Christian Batzdorf verblueffte durch seinen absolut
fehlerfreien Ansatz und erfreute das Ohr durch den weichen, warmen Ton, den er seinem
Instrument entlockte.

Nach der Pause wurde es fuer Neulinge etwas schwieriger. Zunaechst erklang der ergreifende
Nachruf (Cantus in memory of Benjamin Britten) von dem bei der Vorstellung anwesenden
Komponisten Arvo Pärt(http://www.swr2.de/hoergeschichte/komponisten/paert.html )
auf den von ihm verehrten Britten. Pärt ist mit seiner ruhigen, meditativen, groesstenteils
religioesen Musik, die hauefig an Klaenge des New Age erinnern, gerade deshalb fuer Einsteiger
in die neue Klassik bestens geeignet. Hier sah man ergreifend vor seinem geistigen Auge zu den
monotonen Klaengen der Totenglocke einen in stummer, verzweifelter Trauer hingeknieten Freund
oder Verwandten des verstorbenen Komponisten Benjamin Britten. Wahrhaft bewegende
Momente, die eigentlich jeder versteht.

Anders allerdings Britten http://www.swr2.de/hoergeschichte/komponisten/britten.html
,fuer den es schon eines geschulteren Ohres bedarf. Allerdings haette auch hier das Ansehen der
hervorragenden dynamischen Leitung des Dirigenten Vladimir Jurowski dem unerfahrenen
hilfreich zur Seite gestanden. Wer vielleicht nicht die sich in den momenten der Ruhe aufbauende
Spannung der unterirdisch unhoerbar weiterfliessenden Musik mitbekommen wuerde: ein Blick
auf Jurowski, wie er hochkonzentriert und angespannt dastand, um dann der aufgestauten
musikalischen Energie im exact richtigen Moment zum Ausbruch zu verhelfen! Die nicht leicht
wiederzugebende Aneinandereihung von 10 verschiedenen Musikelementen dieses Stueckes
wurde hier mit Bravour gemeistert.

Alles in allem: wieder einmal mehr trug das Deutsche Kammerorchester zu einem angenehmen
Ausklang des Tages bei.

Dr. F.-U. Piechotta-Flemming